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Was tun bei (drohender) Überschuldung?
Rund zehn Prozent der Deutschen sind überschuldet. Die häufigsten Ursachen hierfür sind in der Regel Arbeitslosigkeit oder die Scheidung vom Ehepartner. Ein wesentlicher Faktor ist jedoch oft das fehlende finanzielle Wissen. Erfahren Sie hier, wie sie aus ihren Schulden Schritt für Schritt wieder herauskommen.
Alles auf den Tisch
Der allererste Schritt ist eine Aufstellung der finanziellen Situation. Alle offenen Rechnungen, vorhandenen Mahnungen und der aktuelle Kontostand bilden hierzu die Basis. Nun muss zuallererst ermittelt werden, wie hoch die Schulden wirklich sind und wie es um die eigenen Finanzen bestellt ist. Kontrollieren Sie auch alle Mahnungen, ob die geforderten Beträge korrekt sind bzw. gerechtfertigt sind. Danach müssen die Schuldenposten nach Priorität sortiert werden. Miete und Energiekosten haben dabei Vorrang.
Einnahmen und Ausgaben
Nun folgt die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben, um einen Überblick über die eigenen Finanzen zu bekommen.
Zunächst werden die monatlichen Einnahmen ermittelt. Dabei werden sämtliche Einkunftsarten zusammengerechnet: eigenes Gehalt, Gehalt des Lebensgefährten, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Erziehungsgeld oder eventueller Unterhalt. So erhält man den Betrag, der einem monatlich zur Verfügung steht.
Danach werden die monatlichen Ausgaben summiert. Dazu gehören: Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Kleidung, Telefon- sowie Handykosten, Internetgebühren, Versicherungen, Kfz-Kosten und Zins- und Tilgungsverpflichtungen von privat aufgenommenen Krediten.
Zuletzt stellt man beide Beträge nebeneinander. Um Überleben zu können, müssen die Einnahmen höher sein, als die Ausgaben. Sind Schulden vorhanden, muss ein Differenzbetrag über bleiben, der für die Schuldentilgung genutzt wird.
Sparmaßnahmen einleiten
Nun muss überprüft werden, wo gespart werden kann.
Dabei sind folgende Fragen relevant: Habe ich alle Hilfen vom Staat in Anspruch genommen, die ich bekommen kann? Kann ich auf Internet oder Handy verzichten? Gibt es einen günstigeren Anbieter im Telekommunikationsbereich und lohnt es sich den alten Anbieter zu wechseln? Spare ich im Alltag Strom, indem ich keine Elektrogeräte im Standby-Modus laufen lasse, ich effizient heize und keine Glühbirnen unnötig brennen lasse? Lohnt es sich finanziell den Stromanbieter zu wechseln? Brauche ich wirklich ein Auto oder ist es mir möglich auf die öffentlichen Verkehrsmittel auszuweichen und das Auto zu verkaufen? Brauche ich alle Versicherungen, die ich abgeschlossen habe oder kann ich die eine oder andere Police kündigen? Kann ich laufende Kredite im Rahmen einer Umschuldung ablösen und durch zinsgünstigere ersetzen? Einen recht ausführlichen Ratgeber zur letzten Frage gibt es unter http://www.finanz-blog.at/umfinanzierung/.
Denken Sie auch daran, ob es nicht möglich wäre für eine bestimmte Zeit einen Nebenjob anzunehmen.
Kommunikation
Sprechen Sie mit Ihren Gläubigern bzw. deren Inkassobüros! Erklären Sie Ihre finanzielle Situation und vereinbaren Sie Ratenzahlungen. Auch wenn es nur sehr kleine Raten sind, zeigen Sie Ihre Zahlungsbereitschaft und zahlen sie die Raten pünktlich. Doch stecken Sie auf keinen Fall den Kopf in den Sand. Das macht die Situation nur schlimmer. Denn wenn Sie nichts tun und die ersten Mahnungen ignorieren, werden Ihre Gläubiger weitere Schritte gegen Sie einleiten, die teuer werden können und die Situation für Sie nur komplizieren. Lassen Sie allerdings keine Mitarbeiter von Inkassobüros in Ihre Wohnung. Nur Gerichtsvollzieher und Vollzugsbeamte sind berechtigt Ihre Wohnung zu betreten.
Mahn- und Vollstreckungsbescheide
Sollte es bereits so weit gekommen sein, müssen Sie nicht gleich verzweifeln. Wir empfehlen sich spätestens jetzt an eine Schuldnerberatungsstelle zu wenden. Hier werden Sie individuell und kompetent beraten. Die Beratung und Unterstützung ist kostenfrei, Geldmittel werden allerdings nicht zur Verfügung gestellt.
Haushaltsplan
Um stets den Überblick zu wahren und die Finanzen fest im Griff zu haben, sollte ein realistischer Haushaltsplan entwickelt werden und in einem Haushaltsbuch sämtliche monatliche Einnahmen und Ausgaben notiert werden, wobei unser Einnahmen-Ausgaben-Rechner wertvolle Dienste leisten kann. Auch wenn das sehr aufwendig klingt, ist das der einzige Weg heraus aus den Schulden. Mit Disziplin, einem stets aktuellen Überblick über die private finanzielle Situation und der Bereitschaft zu Sparen und auf gewissen Luxus eine Zeit lang zu verzichten lassen sich Schulden abbauen. Schuldnerberatungsstellen sind dabei zuverlässige Helfer.
