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Fremdwährungsdarlehen
Was in Österreich schon seit Jahren zum Alltag bei der Baufinanzierung gehört, kommt auch in Deutschland langsam immer mehr in Mode. Die Rede ist von so genannten Fremdwährungsdarlehen.
Im Grunde genommen handelt es sich bei einer solchen Fremdwährungsfinanzierung um nichts anderes als eine Immobilienfinanzierung, wie sie auch hierzulande üblich ist, jedoch mit dem kleinen Unterschied, dass die Darlehen nicht auf Euro, sondern eine andere Währung lauten und auch in dieser Währung zurückzuzahlen sind.
Mit dieser Finanzierungsvariante können sich Bauherren günstigere Hypothekenzinsen im Ausland zu nutze machen. So liegen zum Beispiel Darlehen, die von Schweizer Banken vergeben und in Schweizer Franken geführt werden, bei derzeit rund 3,50 Prozent Zinsen und damit rund 1,25 bis 1,50 Prozentpunkte unter den günstigsten Angeboten, die in Deutschland zu finden sind.
So ist es denn auch kein Wunder, dass sich unsere finanziell wesentlich offeneren österreichischen Nachbarn schon seit Jahrzehnten dieser Finanzierungsform bedienen, wenn es um die eigene Wohnung oder das eigene Haus geht. Eine aktuelle Statistik der Nationalbank Österreich ergibt, dass derzeit fast 40 Prozent aller Baudarlehen im Privatbereich in Form von Fremdwährungsfinanzierungen abgewickelt werden, die meisten davon in Schweizer Franken. Dies liegt vor allem an der behutsameren Zinspolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Eine Übersicht über die Entwicklung der Leitzinsen in der Euro-Zone und in der Schweiz zeigt dies sehr deutlich:
Quelle: http://www.tagesgeldvergleich.net/statistiken/leitzinsen.html
Von diesen niedrigeren Leitzinsen der Schweizerischen Nationalbank können auch deutsche Kreditnehmer profitieren, die sich für einen Fremdwährungskredit auf Schweizer Franken lautend entscheiden.
Hierbei ist jedoch zu beachten, dass in Deutschland fast nur variabel verzinste Fremdwährungsdarlehen angeboten werden.
Während bei einem normalen Baudarlehen der Zins über die gesamte Dauer der Zinsfestschreibung unveränderlich ist, entwickelt sich der Zins des Fremdwährungsdarlehens parallel zum Leitzins der SNB. Dabei wird seitens der kreditgebenden Bank eine Anzahl von Prozentpunkten auf den Zins der SNB für Drei-Monats-Geld aufgeschlagen, was dann den eigentlichen Darlehenszins ergibt. Steigt der Leitzins der EZB nun weiter an, so kann sich ein variabel verzinstes Fremdwährungsdarlehen als wahre Kostenfalle entpuppen, während bei einem Absinken der Leitzinsen die Ersparnis immer größer wird.
Es ist also die Entwicklung des Leitzinses der SNB, die über den Vorteil eines solchen Fremdwährungskredites entscheidet. Damit aber nicht genug. Da der Schweizer Franken zum Euro keine feste Notierung aufweist, kann sich auch der Wechselkurs im Laufe der Zeit ändern und zwar in beide Richtungen. Ein stärkerer Euro oder ein schwächerer Schweizer Franken würden dann direkt zu einer Verteuerung des Fremdwährungsdarlehens führen und umgekehrt. Leitzins und Wechselkurs stellen also die beiden wichtigsten Risiken dar, deren Entwicklung der Kreditnehmer bei einem Fremdwährungskredit beachten muss.
Wie sich sowohl eine Änderung des Wechselkurses, als auch eine Änderung der Leitzinsen der SNB auf die Kosten einer solchen Fremdwährungsfinanzierung auswirken, zeigt unser nachfolgendes Beispiel:
Ein Bauherr sucht ein Immobiliendarlehen über 200.000 Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Auf der einen Seite wird ihm ein gewöhnliches Baudarlehen mit einem festen Zins von 4,75 Prozent für die nächsten 10 Jahre angeboten. Die Tilgung dafür würde drei Prozent pro Jahr betragen. Das zweite Angebot ist ein variabel verzinstes Fremdwährungsdarlehen in Schweizer Franken. Der variable Zins richtet sich dabei nach dem Zinssatz der SNB für 3-Monats-Geld (Libor) zuzüglich einem Aufschlag von 1,00 Prozentpunkten seitens der Bank. Bei einem derzeitigen Zins von rund 2,90 Prozent für Drei-Monats-Geld der SNB (Stand: August 2007) ergibt sich so ein anfänglicher Darlehenszins von 3,90 Prozent.
In unserer nachfolgenden Übersicht stellen wir Ihnen nun die Kosten beider Kreditangebote bei unterschiedlichen Szenarien für die Entwicklung des Leitzinses der SNB einerseits und des Wechselkurses von Schweizer Franken zu Euro andererseits gegenüber:
| Darlehenskonditionen | Baudarlehen in Euro mit festem Zins |
Fremdwährungskredit in Schweizer Franken mit variablem Zins |
| Darlehenssumme in Euro | 200.000 Euro | |
| Nominalzins | 4,75 Prozent | 3,90 Prozent |
| Zeitraum des Vergleiches | 10 Jahre | |
| Tilgungsrate | 3 Prozent | |
| Kosten aus Zins- und Tilgung über die Dauer des Vergleichs (10 Jahre) bei | ||
| gleichbleibendem Zins und Wechselkurs | 155.000 Euro | 138.000 Euro |
| gleichbleibendem Zins und einem um 10 Prozent stärkeren Schweizer Franken |
151.800 Euro | |
| gleichbleibendem Zins und einem um 25 Prozent stärkeren Schweizer Franken |
172.500 Euro | |
| gleichbleibendem Zins und einem um 10 Prozent stärkeren Euro |
125.454 Euro | |
| gleichbleibendem Zins und einem um 25 Prozent stärkeren Euro |
110.400 Euro | |
| einem um 0,10 Prozentpunkte höheren Leitzins der SNB |
147.000 Euro | |
| einem um 0,25 Prozentpunkte höheren Leitzins der SNB |
160.500 Euro | |
| einem um 0,25 Prozentpunkte höheren Leitzins der SNB und einem um 10 Prozent stärkeren Schweizer Franken |
176.500 Euro | |
| Alle Werte gerundet. | ||
Wie Sie dem oben aufgeführten Beispiel ziemlich deutlich entnehmen können, lassen sich für eine Fremdwährungsfinanzierung einige einfache Regeln ableiten:
- Bei gleichbleibendem Nominalzins und Wechselkurs ist das Fremdwährungsdarlehen bei gleicher Tilgung immer dann günstiger, wenn der anfängliche Leitzins unter dem im Euroraum liegt
- Ein stärkerer Euro führt zu einer Verbilligung des variabel verzinsten Fremdwährungsdarlehens.
- Eine stärkere Fremdwährung führt zu einer Verteuerung des variabel verzinsten Fremdwährungsdarlehens.
- Jede Senkung des Leitzinses der für die Fremdwährung zuständigen Notenbank führt zu einer Verbilligung des Fremdwährungskredites.
- Jede Erhöhung des Leitzinses der für die Fremdwährung zuständigen Notenbank führt zu einer Verteuerung des Fremdwährungskredites.
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