Die USA kauft sich bei den Banken des eigenen Landes ein
Es erscheint im ersten Augenblick wie ein seltsamer Scherz bei der Zusammenkunft an einem Stammtisch, doch im nächsten Augenblick wischt man sich die Augen und muss erkennen: Das Ganze ist ernst gemeint.
Für 250 Milliarden US Dollar will sich die USA bei den neun größten Banken des eigenen Landes einkaufen. Die Anteile sollen durch die Banken später wieder zurückgekauft werden. Denn dies ist, so die Regierung der USA, eine wesentliche, kurzfristige Maßnahme“. Dennoch soll die Aktion einen wichtigen Weg weisen und die wichtigsten Banken im Land „wieder auf den Weg des Wachstums“ führen.
Unter den Banken, denen damit unter die Arme gegriffen werden soll, ist auch JPMorgan Chase, das Finanzinstitut, dass noch vor wenigen Monaten durch einen Kauf die Investmentbank Bear Stearns vor der endgültigen Pleite gerettet hatte. Und auch die WaMu, die Washington Mutual, war durch JPMorgan Chase aufgekauft geworden, nach dem die US-Sparkasse pleite gegangen war. Ebenso die Citigroup, die kürzlich erst die Wachovia gekauft und ihre deutsche Tochter – die Citibank – verkauft hatte, profitiert von dem Anteilskauf der US-Regierung.
Finanzminister Henry Paulson hat übrigens vor noch fünf Tagen weitere Bankenpleiten nicht ausgeschlossen. Ob das Anlage-Hilfspaket konkret mit einem drohenden Kollaps und Ruin bei einer der neun größten US-Banken zu tun hat, ist nicht bekannt. Vielleicht bekommen alle eine Hilfe, damit vertuscht werden kann, dass es einer oder mehrerer der Banken wirklich schlecht geht.
Nach dem 700 Milliarden US-Dollar Hilfsprogramm in Form kurzfristiger Kredite, Bürgschaften und Liquiditätslinien ist das Anlagepaket der nächste Schritt der USA, um die eigene Wirtschaft wieder anzukurbeln und aus eigener Kraft aus dem Tal der Kreditkrise wieder heraus zu finden.
Im Gegensatz zu Deutschland, wo es wahrscheinlich nicht zu Teil- oder Ganzverstaatlichungen von Banken kommen wird, geht USA hier ganz klare und auch sehr eigene Wege. Ob diese gut sind, wird sich im Laufe der Zeit zeigen. Eingriffe durch eine Regierung in die Wirtschaft bislang meist nicht von Erfolg gekrönt gewesen, ganz im Gegenteil. Und bekannt ist auch nicht, ob es weitere Schritte der US-Regierung geben wird, um den Prozess zu beschleunigen.
Währenddessen wird in Deutschland eifrig an der Umsetzung des 500 Milliarden Euro schweren Bankenhilfspaketes gearbeitet. Und auch wenn aufgrund des schwächelnden Exports eine Rezession angekündigt wurde, so kann doch davon ausgesehen, dass sich die Wirtschaft sowohl der USA, also auch der Europa und auch unseres Landes mittelfristig wieder erholen wird.
