Kredit und Finanzen

Eine Stadt im Sog der Finanzkrise – Freiburg kommt nicht an sein Geld

Wer nach Großbritannien blickt, der sieht einige Londoner Kommunen, wie zum Beispiel Kent, an der Krise der isländischen Banken verzweifeln. Das Geld ist wohl, bis auf einen geringen Teil, auf alle Zeiten hin weg.

Einer deutschen Stadt, dem mediterranen Freiburg im Breisgau, steht nun ein ähnliches Bankenproblem vor der Nase. Zwar hat die Stadt ihr Geld nicht im fernen Island angelegt, wohl aber bei der deutschen Niederlassung der in den Konkurs gegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers.

Bekannt geworden durch die Nähe zum Schwarzwald, als urige Universitätsstadt und vor allem durch den derzeit wieder zweitklassigen, aber dort sehr erfolgreichen Sportclub, hatte diese Stadt immer den Hauch von etwas Anderssein. Der erste grüne Oberbürgermeister in einer Stadt wurde in Freiburg gewählt, und gab damit den Menschen Recht, die sagen, und denken, dass Freiburg immer etwas Besonderes war und ist.

Nun prallt jedoch jeder hart auf den Boden der Tatsachen, der denkt, bei den Finanzen der Stadt wäre dies genauso. Freiburg war nie eine finanziell blühende Stadt, ganz im Gegenteil. Es gab Zeiten, da ähnelte nicht nur die Stadt selbst, sondern auch ihr Haushalt einer einzigen Baustelle.

Und nun kommt die Nachricht, dass genau diese Stadt 47 Millionen Euro bei der deutschen Filiale der Lehman Brothers angelegt hat. Und genau dieses Geld ist bis auf weiteres „eingefroren“. Fatal ist dabei, dass die letzte Überweisung in Höhe von 20 Millionen Euro nur sechs Tage vor dem Zusammenbruch von Lehman überwiesen wurde.

Wie auch die Vorstände der KfW, so hatte sich auch die Stadt Freiburg von der guten Bewertung der Rating-Agentur Standard & Poor’s blenden lassen. Und ist damit ins offene Messer gelaufen. Wohl stehen die Chancen gut, dass nach Ablauf des am 27. Oktober dieses Jahres endenden Moratoriums, welches der deutschen Niederlassung von Lehman Brothers von der BaFin, der Bundesfinanzaufsicht auflegt wurde, das angelegte Geld wieder reinkommt. Die Einlagensicherung wird dafür einstehen, da die deutsche Filiale wohl dem Pool der Banken angehört, die sich dem zusätzlichen Schutzfonds angeschlossen habe – ganz im Gegenteil zu den isländischen Banken, die zwar mit Sicherheit geworben, aber diese nicht gegeben haben.

Dabei kommt es jedoch darauf an, in was das Geld angelegt wurde. Bei Zertifikaten könnte der Schuss nach hinten losgehen und die Stadt bald pleite sein. Falsch ist jedoch die Aussage von Stadtkämmerer Nußbaumer, dass auch die Zinsen zurückfließen werden. Die Einlagensicherung betrifft sowohl die tatsächlichen Einlagen, als auch die mit der Anlage erwirtschafteten Zinsen – wenngleich letztere nur in “marktüblicher Höhe”. Nußbaumer sagt auch, dass die Stadt “ganz sicher bis Ende des Jahres liquide.” ist.

Wie aber die Erfahrung mit der Einlagensicherung zeigt, geht eine solche Abwicklung nicht von heute auf morgen. Gerade das Beispiel des insolvent gegangenen Freiburger Bankhauses Krebs zeigt dies. Dies war im September des Jahres 1995 Pleite gegangen, der Einlagensicherungsfonds zahlte jedoch die Gelder erst im Februar 1997 aus. Die Finanzverwaltung in Freiburg sieht das Ganze positiv, was verständlich ist. Schließlich wird man kaum den Bürger in seine ganz miesen Karten schauen lassen…

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