Mysteriöse Verkaufsentscheidung für Lone Star
Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die mehr vor sich hin siechte als noch zu leben, wurde verkauft, das ist inzwischen längst bekannt. Verkauft wurde sie an den Finanzinvestor Lone Star aus den USA. Auch dies ist längst bekannt.
Dass dabei Lone Star mit einem wesentlich niedrigeren Gebot den Zuschlag bekommen haben soll, verwundert dabei. Wollte die KfW, die Kreditanstalt für Wiederaufbau und den meisten durch ihre zahlreichen Förderprogramme für Unternehmensfinanzierungen und Immobilienkredite bekannt, als Haupteigner die Bank nur verhökern, und das auf Kosten der Steuerzahler?
Wie inzwischen bekannt wurde, soll Alexander Lebedew, ein russischer Finanzinvestor, der KfW einen Preis von 400 bis 600 Millionen Euro für die IKB geboten haben. Lone Star hingegen soll – sehr lauten Gerüchen in Finanzkreisen zufolge – nur 150 Millionen Euro auf den Tisch geblättert haben.
Das wirft natürlich die Frage nach dem Warum auf. Lebedew selbst sagte dazu zur „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“: „Wir hätten substanziell in die IKB-Bank investiert, um ihren Fortbestand als funktionierende Mittelstandsbank zu sichern“. Wieso dann Lone Star die Zusage bekommen hat, die sich bis jetzt über die Zukunft der IKB bedeckt hält, kann nicht verstanden werden. Sind hier etwa politische Punkte ausschlaggebend gewesen?
Lebedew hatte bereits vor einiger Zeit Interesse an der IKB bekundet, bekam aber bereits im Juni die Absage. Er ließ jedoch nicht locker und versuchte sogar den Weg über eine Zuhilfenahme von Michail Gorbatschow, dem ehemaligen sowjetischen Präsidenten, aber auch dies half nichts. Liegt es vielleicht daran, dass Lebedew ein ehemaliger Agent des KGB, des sowjetischen Geheimdienstes, ist und man ihm einfach seitens der Bundesregierung, die zu 80 Prozent Eigner der Kreditanstalt für Wiederaufbau ist, nicht über den Weg traut?
Der Betrag, den Lone Star jetzt für den Kauf der IKB auf den Tisch legen musste, ist übrigens nur ein kleiner Tropfen auf den großen heißen Stein. Rund neun Milliarden Euro gingen für die Rettung der Bank aus Düsseldorf drauf, und ließen wiederum die KfW, die zu 20 Prozent den (Bundes-)Ländern gehört, in mehr als rote Zahlen rutschen. Der Kauf der IKB zur Rettung war wohl der größte Faux Pas, den sich die Bundesregierung in finanzieller Hinsicht in dieser Legislaturperiode geleistet hat. Die Angst vor dem russischen Milliardär Alexander Lebedew mutet dagegen fast noch klein an. Wer versteht sie schon, diese staatliche Finanzwelt?
