Kredit und Finanzen

Das Frühwarnsystem des IIF – Wird es wirklich greifen?

Sie kommt spät, die Entscheidung des Institute of International Finance, sich einen Verhaltenskodex zu verordnen. Aber immerhin kommt sie, wenige Tage nachdem die US-Großbank Goldman Sachs aus dem internationalen Bankenverband ausgetreten ist. Ein Frühwarnsystem soll nun greifen, wenn es erneut zu den Anzeichen einer Krise kommen sollte. Schon im April dieses Jahres hatte Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank und zugleich Vorsitzender des IIF, gesagt: “Wir werden unsere Möglichstes tun, um selbst aufzuräumen und es nicht dem Gesetzgeber überlassen”.

Gestern sagte er nun klar jene Worte, auf die viele Anleger in aller Welt schon sehr lange gewartet hatten: “Die Finanzbranche erkennt ihre Verantwortung an”. Dies macht keine Verluste wett, und wird so manchem noch lange im Magen liegen. Dennoch wurde damit etwas gesagt, was die globalen Finanzmärkte vielleicht wieder positiv antreiben und die Krise nach vielen Monaten endlich zum Ende führen könnte. Zugleich aber wird das geschehen, was Goldman Sachs wohl hauptsächlich zum Austritt aus dem Institute of International Finance bewogen hatte. Die Bilanzierungsregeln werden aufgeweicht werden. Das heißt, bei Verlusten, die eine bestimmte Höhe erreichen, sollen die Bewertungsregeln geändert werden.

Es waren Milliarden von Euro und US Dollar, die Banken und Geldinstitute in aller Welt als Verluste abschreiben mussten. Erst am vergangenen Freitag ist der Hypothekenfinanzierer Indy Mac aus den USA über die Krise gestolpert und gefallen. Die Bankgeschäfte werden nun von der FDIC, der Staatliche Bundeseinlagensicherung, weitergeführt. Die Kunden von Indy Mac erhalten ihre angelegten Gelder zurück, jedoch nur bis zur Höhe von 100.000 US Dollar je einzelnen Kunden. Der Zusammenbruch könnte deshalb für einige der Anleger zu einem finanziellen Fiasko werden.

Dem IIF gehören gut 380 Finanzinstitute und auch Versicherungen aus aller Welt an. Ziel des Frühwarnsystems sei es, “neue, heraufziehende Schwachstellen in den Märkten und im Finanzsystem besser und früher zu erkennen”. Und man erkennt, dass man wohl ein wenig zu spät gehandelt hat: „Wenn man die letzten zwei Jahre durchgeht, gab es eine Menge Anzeichen dafür, dass wir ein bisschen zu weit gegangen sind“. Schwachstellen habe es gegeben bei den Geschäftspraktiken einiger Institute, insbesondere bei der Vergabe niedrig besicherter Kredite und dem Handel mit verbrieften Forderungen auf ebendiese. Eingegriffen hat man hier jedoch nicht, wie man aus den milliardenschweren Verlusten erkennen kann. Die Frage wird sein, ob die Banken und Versicherungen ihre Schuld auch wirklich erkennen und anerkennen, oder ob dies gar nur bloße Worte auf einem Stück Papier sind.

Einfach ist der Ruf nach dem Staat, den der gute Herr Ackermann aber noch im März dieses Jahres von sich gab. Im April sah er dann, wie oben geschrieben, die Sache wieder anders. Und gestern gab es das Statement des Institute of International Finance, dessen Vorsitzender er ja bekanntermaßen ist. Was wird morgen geredet werden? Wieder nur irgendetwas, um die Zweifel der Anleger zu zerstreuen? Es ist längst an der Zeit für einen Wechsel an der Spitze des IIF. Damit wirklich aufgeräumt werden kann und Dinge verändert werden und anders laufen können als bisher. Doch so bleiben alle auf dem gleichen Thron und die Anleger sind es dann, die ihr Geld weiterhin verlieren. Die da oben, wie der gute Herr Ackermann, haben ihre Schäflein ja eh schon längst im Trockenen.

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