Das Pokerspiel um die Postbank
Was auf dem deutschen Bankenmarkt derzeit passiert, gab es noch nie. Verkäufe stehen an, es wird um Käufer gebuhlt und Einblick in die sonst so geheimen Bücher wird gewährt. Dabei könnte es aber zu einem „Sitzen bleiben“ der Postbank in der letzten Reihe kommen. Es wird viel gemunkelt, wer mit wem und warum fusionieren wird. Wer kaufen will, wer kaufen kann und so weiter. So richtig blickt niemand mehr in dem derzeitigen Wirrwarr durch. Die Banken selbst wohl auch nicht mehr, weder die zum Verkauf stehenden, noch die an einem Kauf eben jener anderen Interessierten.
Fusioniert die Commerzbank nun mit der Dresdner Bank oder wie die zweit genannten möglicherweise doch auch verkauft? Oder fusioniert die Commerzbank mit der Deutschen Bank und wird damit zu einem Bankriesen, der die Postbank AG gar nicht mehr braucht? Und was ist dabei mit der Citigroup, die ihre Citibank mit Sitz in Frankfurt wohl auch zum Verkauf feilbieten will?
Wie man im Beitrag „gescheiterter Verkauf der Postbank an die Allianz“ auf ansahl.com nachlesen kann, hat sich die Postbank AG für Interessenten wie die Allianz durch ihre langfristige vertragliche Bindung im Vertrieb von Versicherungen bereits vor Monaten ins Aus befördert.
Keiner weiß etwas Genaues, alle können nur vermuten. Ob am Ende überhaupt noch jemand die Postbank haben möchte, weiß auch noch niemand. Vielleicht wollen die konkurrierenden Banken auch einfach nur in den Datenraum, um der gelben Bank tiefer in die Bücher schauen zu können.
Eines ist aber sicher: Die deutsche Bankenlandschaft im Jahre 2008 wird es so im Jahre 2009 nicht mehr geben. Alles wird anders sein. Vielleicht gehört die Postbank dann auch einer Bank aus dem Ausland, Santander zum Beispiel oder Lloyds TSB oder BNP Paribas. Dabei hat der Konzern sich die letzten Jahre selber Konkurrenten wie die BHW einverleibt.
Wer auch immer am Ende sie kauft oder auch nicht, die Bundesregierung macht auf jeden Fall langsam Druck, damit die Sache bald über die Bühne geht. Noch in diesem Jahr, vielleicht sogar bereits im August, soll klar sein, wer die Postbank nun kauft.
Die Frage ist nur: Will sie noch einer haben nach dem ganzen Hin- und Her in Bezug auf einen Verkauf oder doch nicht Verkauf und der eigenen Aussage, man sei nicht in Eile? Und auch, nachdem die Bank des ehemaligen Staatsunternehmens Deutsche Post nur langsam mit ihren Verlusten aus der globalen Finanzkrise herausgerückt hat. Bei der Post, wie bei der Telekom, die ja früher auch mal dazu gehörte, hat man eben immer schon die Taktik der Verschleierung gewählt.
Genau dies kann sich aber – im Rahmen einer offenen, nicht staatlich begrenzten und reglementierten Wirtschaft – irgendwann bitter rächen.
