Die Kreditkrise als Chance
Finanzkrise hin oder her. Börsenlegende Warren Buffett, der zweitreichste Mann der Welt, kümmert sich laut eigener Aussage nicht darum, wie sich gerade die Werte am Markt entwickeln. Ob er kauft oder nicht, hängt davon ab, ob er ein Unternehmen zu einem akzeptablen Preis erwerben kann. Zwar musste er in vergangener Zeit, wie so viele Anleger auch, heftige Verluste einstecken. Dennoch sieht er die Hypothekenkrise nicht als langfristiges Problem und „Institute mit einem soliden Geschäftsmodell werden die Krise überstehen“, so seine Aussage.
Diese Hoffnung hatten auch viele deutsche Anleger. Sie wurden aber leider eines Besseren belehrt. Der Hypo-Real-Estate Vorstandschef Georg Funke beteuert über Monate, dass seine Bank von der Krise nicht betroffen sei. Doch die Ernüchterung kam prompt. Mitte Januar 2008 musste die Hypo Real Estate Wertpapiere im Wert von 390 Millionen Euro abschreiben und reißt den Dax in die Tiefe, wie der Aktien-Blog berichtet. Die Börse reagierte darauf mit einem Kursabschlag von 35 Prozent an einem Tag. Einen Bericht über die Reaktionen von Warren Buffett auf diese überraschende Meldung der Hypo Real Estate können interessierte Leser auf den Seiten von CoreFinance nachlesen. Nachdem Merrill Lynch über 14 Milliarden Dollar abschreiben musste und sich danach bei ausländischen Staatsfonds ca. 13 Milliarden Dollar besorgt hat, gilt sie sogar als Übernahmekandidat. Weltweit wurden insgesamt 113 Milliarden Dollar in Folge der Hypothekenkrise durch Banken abgeschrieben. Branchenkenner schätzen, dass die Vermögenspositionen bis zu 150 Millionen Euro überbewertet waren. Damit handelt es sich um die größte der sechs zyklischen Krisen innerhalb der letzten 30 Jahre. Informationen zu den vorangegangenen Krisen finden Sie etwa unter „Die Weltwirtschaft und die Immobilienkrise der USA“.

Quelle: Bloomberg und Focus-Money
Der Auslöser für diese Krise waren die seit Jahren gestiegenen Immobilienpreise in den USA und Großbritannien. So bekamen in Folge dessen Menschen einen Immobilienkredit, die sich diesen gar nicht leisten konnten. Die Geldhäuser bündelten nun diese Kredite zu Portfolios und verkauften diese weiter, zum Beispiel an Banken. Diese beurteilten das Risiko des Portfolios. Wer dann noch bereit war, in ein Portfolio zu investieren, welches mit viel Risiko behaftet war, konnte zweistellige Zinsen einstreichen. Dass das nicht lange gut gehen konnte, beweisen folgende Zahlen: Im Jahre 2006 waren bereits 4,71 Prozent der Kreditnehmer nach 18 Monaten pleite, doppelt so viel wie vor einigen Jahren.
Seit 2007 fiel der ABX-Index für Wertpapiere mit der höchsten Bonitätsnote AAA von 100 auf 70 Punkte. Darauf hin mussten amerikanische Banken ihre Kreditportfolios neu bewerten und waren gezwungen, Milliarden abzuschreiben. Kritiker halten dies allerdings für übertrieben. Denn Wertpapiere mit einer solch guten Bonität sind davon erst betroffen, wenn schon 20 Prozent des ganzen Portfolios ausgefallen sind. Bei einem Rückgang von 30 ABX-Indexpunkten bedeutet das einen Ausfall von 50 Prozent (20 % + 30 %) des ganzen Portfolios.
Wenn stattdessen ein Wertpapier mit einer Immobilie besichert wäre, würden die Kreditnehmer ihre Zahlungen sofort einstellen und könnten dann nur durch Zwangsversteigerungen die Hälfte der Kreditsumme wieder hinein holen. Doch dass alle Schuldner ausfallen, ist unwahrscheinlich.
Wie soll es weiter gehen? Analysten sehen die USA am Rande einer Rezession. Ebenso sehen es Experten wie die Betreiber des Blogs auf Markt-Daten.de, die mehrfach zur US-Rezession gebloggt haben. Würde dies passieren, so würden die Ratenkredite ausfallen und die Kaufkraft der Amerikaner würde drastisch zurückgehen. Erste große Opfer in der Wirtschaft gibt es bereits. Die Kreditkartenanbieter Capital One und UBS konnten im vierten Quartal ihre Rückstellungen für Kreditkartenkonten nicht mehr ausgleichen.
Wenn der amerikanische Wirtschaftsmotor also ins Stocken gerät, und somit auch Arbeitsplätze und Investitionen wegfallen, hätte dies gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Somit könnten zum Beispiel viele Firmen Ihre Kredite nicht mehr zurückgezahlt. Es wird vermutet, dass sich diese Rate von Kreditausfällen von derzeit einem auf vier Prozent erhöht. Dies bedeutet, dass Banken noch größere Beträge abschreiben müssten und darunter leidet wiederum das Neukundengeschäft. So hätten eigenkapitalschwache Firmen es viel schwerer, einen Kredit zu bekommen und müssten auf alternative Wege zur Unternehmensfinanzierung zurückgreifen.
Vielleicht wird es nicht so schlimm, denn die Kontrollsysteme der Banken haben sich in letzter Zeit verbessert. Zudem kündigte die Notenbank Unterstützung an, um eine Rezession abzuwenden. Die US-Wirtschaft wird zudem von der Politik unterstützt. Sie will Steuererleichterungen für private Haushalte und Unternehmen schaffen.
Der Konjunkturexperte Philippe Sigogne sagte: „Investoren sollten ihr Geld nicht mehr in fragwürdige Anleihenkonstruktionen stecken. Dagegen sieht Mckinsey den Bankensektor als wichtige Säule, denn langfristig werden die Banken ihre Gewinne laut dem Beratungsunternehmen verdoppeln. Die Analysten von der WestLB meinen: “Es sei der richtige Zeitpunkt gekommen, in ausgesuchte Bankenaktien einzusteigen“.
Buffett geht wie so oft einen anderen Weg, er sagte: „Die beste Zeit zu investieren ist aber, wenn sich niemand für Aktien interessiert“.
