Das muntere Pokerspiel um die Postbank
Es geht munter weiter beim Rätselraten um den Verkauf der Postbank. Vor lauter Pokern um den besten Käufer werden hierbei jedoch leider die Millionen Kunden vergessen, die immer weiter im Ungewissen bleiben. Die Frage, die sich hier stellt, ist, ob alle Kunden dies weiterhin so ruhig mitmachen werden oder nicht gar murrend ihre Konten kündigen bzw. bei der nächsten Finanzierung zu einem anderen Angebot als dem Postbank Privatkredit greifen? Die Konkurrenz ist vorhanden und seit der Schließung vieler Filialen gerade in ländlichen Gebieten sowie in abgelegenen Stadtteilen sind viele Kunden nachdenklich geworden. Soll man einer Bank treu bleiben, die ihre Kunden im Unklaren lässt und im Prinzip mit ihnen macht, was sie möchte? Die Frage kann sich jeder nur selbst stellen und sie auch nur für sich selbst beantworten. Zu dieser wirren Strategie der Ausdünnung des Filialnetzes gesellen sich noch Imageprobleme vor allem beim Service, wie etwa der Kundenservicetest oder einer der zahlreichen Verbraucherberichte etwa auf „Postbank – Was erlaubst du dir?“ zeigt, sowie massives Unverständnis von Kunden und Nichtkunden über plötzliche Gebührenänderungen, etwa beim Sparbuch der Postbank.
Nun hat sich bei all den Verwirrungen der letzten Monate, die unter anderem ein fatales Ergebnis des ersten Quartals dieses Jahres gebracht haben, der Chef selbst zu Wort gemeldet. Wir erinnern uns: Der Überschuss brach dabei um 32 Prozent ein und der Vorstand musste dies letztlich auch zugeben, nachdem eine Weile lang nur nebulöse Angaben dazu gemacht worden waren. Wolfgang Klein, seines Zeichens Postbank-Chef, hat nun Zunder ins Feuer der ganzen Spekulationen der letzten Zeit geworfen. Seiner Ansicht nach ist die Postbank bis Herbst dieses Jahres über den Verkaufstisch gegangen. Im Handelsblatt sagte der Chef der Postbank dazu: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine der stärksten Marken, die es im deutschen Privatkundengeschäft gibt, opfert“.
Und dass die Postbank mit ihren noch 14,4 Millionen Privatkunden eigentlich in der ersten Riege der deutschen Banken mitspielt – zumindest in Privatkundensektor – macht sie umso interessanter für potentielle Käufer. Nun sollen die Interessenten, unter anderem Allianz und Commerzbank – denen gar ein gemeinsames Interesse an der Postbank nachgesagt wird – sowie die Deutsche Bank in den nächsten Wochen ihre Angebote abgeben können. Diese sind dann zwar noch unverbindlich, wie es aus Finanzkreisen heißt, aber was heißt hier schon unverbindlich?
Durch die neuen Spekulationen und die Ansage des Wolfgang Klein, des Chefs der nun wohl wirklich zum Verkauf stehenden Postbank, hat auch prompt die Aktie an Stärke gewonnen. Gleich zu Beginn dieser Börsenwoche stieg sie gut in den Markt ein und wurde im Dax zum stärksten Wert. In der Onlineausgabe des Magazins „Spiegel“ sagte dazu ein Börsianer: „Da es starkes Interesse von der Allianz und der Commerzbank einerseits und der Deutschen Bank andererseits gibt, dürfte der Prozess beschleunigt werden“.
Interessant ist, dass der frühere Chef der Postbank, Klaus Zumwinkel, noch im November des vergangenen Jahres davon sprach, dass ein Verkauf gar nicht zur Debatte stehe. Aber Zumwinkel ist, dank seiner eigenen Geldgier und einem millionenschweren Steuerbetrug, schon längst Vergangenheit. Die Postbank schaut nun in die Zukunft, die zwar noch ungewiss ist, aber eines scheint wohl sicher zu sein: sie wird verkauft werden. Vielleicht tatsächlich noch in diesem Herbst. An wen? Das weiß wohl zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirklich noch niemand.
