Kredit und Finanzen

Lidl immer noch im Zwielicht und im Abseits der Statistiken

Wer bespitzelt, der verliert. Sein positives Image und auch Kunden. Und genau das passierte jetzt dem Discounter Lidl. Nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen seine Mitarbeiter bis in die tiefsten Tiefen der Privatsphäre verfolgte, unter anderem beim Toilettengang – wenn dieser denn überhaupt einmal erlaubt wurde – kam nun die Quittung dafür ans Tageslicht.

Das Marktforschungsinstitut Grass Roots stellte in einer Umfrage, die heute in Köln vorgestellt wurde, fest, dass so einige Kunden inzwischen einen Bogen um Lidl machen. Nach dem Bespitzelungsskandal im vergangenen Jahr machten vier von zehn Verbrauchern den bewussten Schritt, eben nicht bei diesem Discounter einkaufen zu gehen, sondern einen anderen Anbieter für ihre Einkäufe zu wählen. Dafür klar verantwortlich sind die Berichte, welche die miserablen Arbeitsbedingungen bei Lidl aufs Korn genommen und damit in ein regelrechtes Wespennest gestochen hatten.

Gleich 40 Prozent der „Bogenmacher“ zu haben, wird dem Discounter nicht so recht sein, zumal diese negativen Zahlen bei den Konkurrenten Norma mit zwölf Prozent und Aldi mit gar nur neun Prozent wesentlich niedriger sind. Keine guten Zeiten für Lidl also, den Discounter, der aufgrund der Bespitzelungsaffäre vergangenes Jahr 1,5 Millionen Euro an Strafe zahlen musste und sich in einer großen Zeitungsanzeige bei den Mitarbeitern entschuldigte.

Denn die Erhebung von Grass Roots hat die Kunden auch in die Frage mit einbezogen, wie sie die Arbeitsbedingungen bei den verschiedenen Discountern sehen. Auch hierbei schneidet Lidl am schlechtesten ab. So sagten gut 57 Prozent der befragten Personen, Lidl sei als Arbeitgeber schlecht“ bis „inakzeptabel“. Mehr als 20 Prozent dahinter, also weitaus positiver betrachtet, liegt Norma, und knapp dahinter Penny. Dies zeigt ein eindeutiges Bild, welches die Verbraucher unseres Landes von dem so in Verruf geratenen Discounter haben. Dennoch bleiben Lidl die Kunden nicht aus. Von den gut 2.400 befragten Verbrauchern gab etwa die Hälfte an, sie würden zwei Mal im Monat bei Lidl einkaufen. Nur Aldi liegt hier besser. Gut 60 Prozent der Verbraucher, die in die Umfrage mit einbezogen wurden, gaben an, mindestens zwei Mal im Monat bei dem Discounter einzukaufen.

Doch nicht nur die Mitarbeiter waren wohl im Visier der Bespitzelungskameras von Lidl. Dabei wurden auch Pin-Nummern von EC-Karten aufgenommen, ohne dass dies den Käufern bewusst war. Verbraucherschützer warnten daraufhin vor dem Einsatz von EC-Karten beim Einkauf in den Läden des Discounters. Lidl hat sich also so oder so kaum um den Datenschutz geschert. Eine Entschuldigung zu letztem Punkt hat es übrigens bis dato nie gegeben. Das Handeln von Lidl war also in mehreren Punkten mehr als bedenklich. Ob es sich trotz großer Worte und der Millionenstrafe geändert hat? Es wäre interessant, hierzu von Mitarbeitern des Discounters mehr zu hören, um die Wahrheit zu erfahren. Denn ein Unternehmen, das so schnell seine Praktiken ändert, ist kaum glaubhaft – siehe die Bespitzelung bei der Telekom und der Deutschen Bahn, wo das, was am Anfang an das Licht der Öffentlichkeit kam, in Wirklichkeit nur die Spitze des Eisbergs war.

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