Im Jubiläumsjahr gehen die Gelder aus – Hat die Restrukturierung bei Märklin doch versagt?
“Wir sind stolz, dass Märklin als Musterfall einer gelungenen Restrukturierung prämiert wurde.”, hieß es noch Anfang Dezember 2007 aus dem Munde eines der Manager der US-Beratung Alix Partners. Die Beratungsfirma hatte nach der Fast-Insolvenz von Märklin ihren Job gemacht – und daran wohl Millionen verdient, wenn man den Spöttern glauben darf. Es half dem Spielwarenhersteller ja auch auf die Beine, zumindest für eine kurze Zeit. Nun aber, im Jubiläumsjahr, sieht die Lage richtig schlimm aus. Zum ersten Mal in den 150 Jahren des Bestehens des Unternehmens können die Gehälter nicht bezahlt werden und es scheint keine – zumindest greifbare – Lösung in Sicht zu sein.
Im Mai des Jahres 2006 war Märklin – nachdem sich 22, untereinander zerstrittene, Familiengesellschafter zu einer Einigung durchringen konnten – an die britische Investorengruppe Kingsbridge Capital verkauft worden. Und dann sah es erst gut aus. Im ersten Halbjahr des Verkaufsjahres stieg der Umsatz um vier Prozent, kletterte damit auf 49,2 Millionen Euro, und es gab aufgrund der hohen Nachfrage zum Teil sogar Lieferschwierigkeiten bei manchen Produkten. So konnte das Jahresergebnis im Verkaufsjahr um drei Millionen Euro Umsatz gesteigert werden.
Noch vor wenigen Tagen hatte Märklin die Zahlen für das vergangene Jahr bekannt gegeben:
„Der Modelleisenbahnhersteller Märklin hat im abgelaufenen Jahr 2008 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 128 Millionen Euro erzielt“, heißt es da, und „damit trotz eines schwierigen Weihnachtsgeschäfts den Vorjahreserlös von 126 Millionen Euro leicht übertroffen. Gleichzeitig wurde der Fehlbetrag im operativen Bereich gegenüber 2007 reduziert. Angesichts der sich beschleunigenden Rezession in Deutschland und weiteren Absatzmärkten wird Märklin aber seine Bemühungen zu Kosteneinsparungen forcieren, um das Unternehmen unbeschadet durch die aktuelle Wirtschaftskrise zu steuern.“
Dennoch kann Märklin, deren Zukunft just einen Tag vor dem Beginn der für die Branche so wichtigen Spielwarenmesse in Frage gestellt ist. Am Freitag der vergangenen Woche waren die laufenden Kredite in Höhe von 50 Millionen Euro nicht noch einmal verlängert worden. Die Landesbank Baden-Württemberg und die Kreissparkasse Göppingen, die als Märklins Kreditgeber fungierten, hatten es wohl läuten hören, dass der Spielwarenhersteller nicht mehr sanierungsfähig sei. Diese Informationen sollen, laut dem „Handelsblatt“, sogar direkt aus Kreisen des Unternehmens gekommen sein.
Dabei war vor wenigen Tagen bei der Vorstellung der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres noch Schönwetter seitens des Managements gemacht worden. Von Märklin-Beiratsvorsitzendem Michel Perraudin hieß es:
“Wir freuen uns, dass unsere Kunden viele Märklin-Innovationen gut aufgenommen haben. Damit werden unsere Bemühungen um eine attraktive Produktpalette belohnt – und das trotz massiven konjunkturellen Gegenwinds. Unser Sanierungskurs zeigt Wirkung. Wir müssen aber in der aktuellen Wirtschaftskrise weiterhin erhebliche Kostendisziplin walten lassen und sämtliche Effizienzreserven mobilisieren, wenn Märklin in die Gewinnzone und damit auf einen langfristig stabilen Kurs kommen will. Dazu befinden wir uns in Gesprächen mit der Belegschaft und ihren Vertretern und streben so schnell wie möglich zielführende Lösungen an.”
Der Käufer und Investor von Märklin, Kingsbridge Capital, steht nach eigenen Angaben in intensiven Verhandlungen mit der Kreissparkasse Göppingen und der LBBW. Doch es wird wohl schwierig werden, noch einmal Kredite zu bekommen. Denn wir befinden uns zwar im Jubiläumsjahr von Märklin, aber zugleich auch in der größten Finanzkrise der Nachkriegszeit. Da halten sich die Banken bei der Vergabe von Krediten bedeckt, vor allem bei Finanzierungen für Selbstständige und Unternehmen und in einem solchen Fall, wo nicht einmal klar ist, ob es weitergehen wird. Denn: Märklin hat zu diesem Monat zwei Neue ins Management geholt. Ralf Coenen und Rainer Nothwang sind bereits aus ihren früheren Jobs als „Abwickler“ bekannt, also Manager, die ein Unternehmen bis zur völligen Insolvenz noch „betreuen. Dies schürt die Angst bei den Mitarbeitern von Märklin natürlich, die auf ihre Gehälter warten. Ein solches Jubiläum hat wohl niemand erwartet, nachdem die Restrukturierung erfolgreich zu sein schien.
Wo nun der Fehler in dem ganzen System war, gilt es herauszufinden. Und da wird auch der Ansatz zu einer erfolgreichen Sanierung stecken. Doch ob eine der Unternehmensberatungen, die sich bei Märklin die Klinke in die Hand gaben und Unmengen an Geld verschlungen haben, diesen Fehler finden wird, ist sehr fraglich. Denn sonst wäre Märklin heute wohl nicht da, wo der traditionsträchtige Spielwarenhersteller nun steht, bei den Mitarbeitern in der Kreide und vielleicht sogar vor dem völligen Aus. Und das in einem Jahr, in dem nicht nur das Unternehmen selbst ein Jubiläum feiert, sondern auch die Spielwarenmesse in Nürnberg, die just jetzt 60 Jahre alt wird. Kein Grund zum Feiern, wie es in diesem Jahr scheint. Ob Märklin im nächsten Jahr überhaupt noch dabei sein wird? – Die Banken haben es in der Hand. Die Frage ist, ob die LBBW, die Landesbank Baden-Württemberg hier ein gutes Händchen beweist, so desaströs wie die Bank sich selbst in die Finanzkrise gesteuert hat…
