Kredit und Finanzen

Mögliche Staatsbürgschaft und Kurzarbeit – BMW macht Ernst

Nein, BMW ist nicht der erste Autobauer in unserem Land, der seine Produktion drosselt. Und nein, BMW wäre auch nicht der erste Autohersteller in Deutschland, der eine Staatsbürgschaft beantragen würde. Doch gleich zwei Nachrichten an einem Tag, das ist schon ein besonderes Zeichen, das da gesetzt wird.

Auf der einen Seite hat ein Sprecher von BMW sowohl der „Bild“ als auch der Nachrichtenseite „Dow Jones“ bestätigt, dass derzeit eine Staatsbürgschaft geprüft werde. Diese jedoch nicht, zumindest laut dem Sprecher, für das operative Geschäft, sondern für eine Absicherung der Refinanzierung im Bereich von BMW Financial Services – vor allem bekannt durch seine Angebote zur Autofinanzierung sowie seinen Ratenkredit, welcher auch in unserem Kreditvergleich zu finden ist. Durch die Bürgschaft aus staatlicher Hand wäre es für den Autohersteller aus Bayern möglich, sich problemlos frisches Kapital zu besorgen und damit wohl, so kann man vermuten, die geschwächte Leasingsparte weiter finanzieren zu können und auch die Ausgabe von Autokrediten.

Auf der anderen Seite kam nun, nur kurz nach der ersten Nachricht, die zweite Tagesnachricht von BMW. Es wird in vier deutschen Werken die Produktion gedrosselt – und für vorerst zwei Monate lang dort Kurzarbeit geben. Bereits im Februar soll es losgehen, und damit am Ende, nach den zwei Monaten, 38.000 Fahrzeuge weniger vom Band gelaufen sein als ursprünglich geplant.

Der Personalvorstand von BMW, Harald Krüger, fand heute in München klare Worte dazu: “Es war immer eine unserer maßgeblichen Stärken, durch eine breite Palette von Flexibilisierungsinstrumenten auch in schwierigen Zeiten Beschäftigung zu sichern. Dabei helfen unsere zahlreichen Arbeitszeitmodelle. Diese ergänzen wir durch den Einsatz einer intelligenten Kombination aus Zeitkonten, vorausschauender Urlaubsplanung sowie einer zeitlich und auf einzelne Werke beschränkten Kurzarbeit. Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht zuletzt durch diese Maßnahmen auch aus der derzeit schwierigen Situation gestärkt hervorgehen werden. Die hochqualifizierten Mitarbeiter, die wir heute halten können, sind ein maßgeblicher Wettbewerbsvorteil von morgen.”

Gekürzt werden soll in den Werken Regensburg, Berlin, Landshut und Dingolfing. Keine Kürzungen soll es geben im Stammwerk in München, in Leipzig und auch nicht an den Standorten von BMW, die im Ausland liegen. Von der geringeren Produktion sollen die Baureihen 3er und 5er betroffen sein, da gerade hier der Absatz im vergangenen Jahr eingebrochen war. Insgesamt war der Absatz im Jahr 2008 um 4,3 Prozent zurückgegangen, auf 1,436 verkaufte Fahrzeuge. Vor allem der Monat Dezember war sehr schwer für den bayerischen Autobauer. Hier brach der Absatz gleich um mehr als ein Viertel (um 26 Prozent) ein.

Noch vor wenigen Tagen hatte BMW gezielt betont, es werde keine Kurzarbeit geben, ganz im Gegenteil zu anderen deutschen Autobauern. Nun schwenkt man um, was ja aber nichts Neues ist bei dem Autohersteller aus Bayern. Ob es wieder zu einer Welle von Entlassungen kommen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Bundesregierung Druck macht auf die im Deutschen Aktienindex (DAX) notierten Unternehmen, zu denen ja auch BMW gehört. Sollte es zu Entlassungen kommen, wäre eine Staatsbürgschaft wohl in weite Entfernung gerückt.

Beantragen würde BMW die Garantien aus staatlicher Hand dann beim deutschen Bankenrettungsfonds namens SoFFin. Dieser wurde extra geschaffen, um der Finanzwirtschaft wieder auf die Beine zu helfen und Banken vor der Pleite zu bewahren. Weitere Autohersteller haben Interesse an den Staatsgarantien, wie man es so läuten hört. Volkswagen dürfte einer der nächsten sein, ist zu vermuten – wenngleich sicher ebenfalls nicht für die Automobilsparte, sondern für seine Volkswagen Bank – ebenfalls bekannt für Kredite, Girokonten oder Tagesgeld. Ob BMW jedoch überhaupt die Staatsgarantien in Anspruch nehmen wird – und auch der Zeitraum für eine Entscheidungsfindung – ist noch nicht bekannt. Vielleicht möchte man dort einfach erst prüfen, wie tief man sich wirklich in die Bücher schauen lassen müsste, bevor man einen Antrag stellt. Zu vermuten wäre dies auf jeden Fall.

Kommentarfunktion ist deaktiviert