Wahres Ausmaß der Finanzkrise wird sich erst zeigen
Sie wurden zu dem Gift, welches die Anleger um Billionen brachte und wegen dem bis jetzt eine nicht genau erfasste Zahl von US-Bürgern ihr Hab und Gut verlor – die so genannten Subprimes. Diese Kredite, ausgegeben an Geringverdiener, werden auch faule Kredite genannt. Und lagern nun noch massenweise in den „Schränken“, das heißt Büchern, der Banken. “Toxische Wertpapiere” sind dies, auf gut Deutsch: Giftpapiere, welche die Bilanzen der betroffenen Geldinstitute noch über eine ganze Weile ins Minus ziehen werden.
Eine Umfrage der BaFin – der Bundesfinanzaufsicht – und der Bundesbank, erstellt im Auftrag des Bundesfinanzministeriums und gemacht bei 20 großen deutschen Banken, ergab, dass es sich wohl um eine Zahl von 300 Milliarden Euro handelt. Dies ist eine Hausnummer, bei der einem schlecht werden kann. Und noch schlimmer wird dies, wenn die Geldinstitute dann endlich mit offenen Karten spielen und sagen, dass etwa ein Viertel dieser hohen Summe überhaupt erst abgeschrieben wurde. Und: Befragt wurden lediglich 20 Banken. Wie viel da noch wirklich an Gift schlummern mag in den Schränken aller in Deutschland niedergelassenen und bilanzierungspflichtigen Banken wird sich erst in diesem und dem kommenden Jahr zeigen.
Der Rettungsschirm der Bundesregierung für die Banken wird wohl nun um einiges zu klein sein, um all das ausbügeln zu können, was da auf die deutsche Bankenwelt zukommt. Und die faulen Kredite sind ja nicht das einzige, das Abschreibungsbedarf erfordert. Verluste aus anderen Geldanlagen, wie zum Beispiel gesunkenen Kursen von Wertpapieren oder verbrieften Forderungen wie den so genannten Credit Default Swaps, müssen auch noch aufgefangen werden. Wie die Banken dieses bewältigen wollen, kann nicht gesagt werden. Der Bund wird den Rettungsschirm ausweiten müssen und sich möglicherweise sogar noch an anderen Geldinstituten außer der Commerzbank beteiligen müssen.
Die Folgen der Krise, die Ende des Jahres 2006 ihren Anfang nahm, sind also bei Weitem noch nicht ausgebügelt oder aufgefangen. Nein, sie sind noch nicht einmal ganz offensichtlich und kommen nun erst nach und nach ans Licht. Auch die Deutsche Bank, die sich bislang „erfolgreich“ gegen den Rettungsschirm gewehrt hat, wird wohl eines Tages den Schritt darunter antreten müssen. Ein Verlust für das Gesamtjahr 2008 in Höhe von 4,8 Milliarden Euro spricht für sich. Und wie gesagt: Noch lagert eine Menge Gift in den Schränken der Banken Deutschlands. Die Deutsche Bank wird hier kaum eine Ausnahme darstellen.
Es ist also an der Zeit, dass die Karten nun ganz offen ausgespielt werden, damit es zu einem Großaufräumen kommen kann in den Büchern und dann endlich wirklich ein neuer Anfang gemacht werden kann. Was übrigens nicht klar ist: Ob die 20 von der BaFin befragten Banken genau die Banken sind, die bis dato unter den Rettungsschirm der Bundesregierung geflohen sind, oder ob es sich dabei auch um Banken handelt, wie die Deutsche Bank zum Beispiel, die diesen Schritt – noch – nicht getan haben.
