Bundeskanzlerin Merkel mahnt deutsche Spitzenmanager und Großunternehmen
Wieder einmal gehen Meldungen durch die Presse, dass deutsche Großunternehmen trotz riesiger Gewinne Tausende von Menschen entlassen wollen. So berichtet gegengambit.de über die geplanten Entlassungen bei Nokia, BMW und Siemens, während auf „Entlassungen trotz Rekordgewinne“ gefragt wird, wie der normale Angestellte Rekordgewinne, Erhöhungen der Vorstandsbezüge und geplante Massenentlassungen verstehen soll.
Gerade im Exportsektor fahren deutsche Unternehmen gewaltige Gewinne ein. (Noch) Exportweltmeister tönt es da in der internationalen Wirtschaftswelt. Neidisch schauen Nachbarn und Konkurrenten zu uns herüber. Dennoch halten die Spitzenmanager an Entlassungen und dem Standortwechsel ins Ausland fest.
Ein recht unrühmliches Beispiel eines solchen Unternehmens ist BMW und so ist es kein Wunder dass sich immer mehr Verbraucher fragen „Darf ein Politiker jetzt noch BMW fahren?“.
Die meisten Unternehmen scheinen zu vergessen, dass es Steuergelder und damit letzten Endes Kredite der Verbraucher waren, die ihnen in Form von Subventionen im Zuge der Unternehmensfinanzierung beim Aufbau von Produktionskapazitäten den Weg zu den derzeitigen Rekordgewinnen und -umsätzen geebnet haben.
Ein Grund mehr für Kanzlerin Merkel, sich in die Diskussionen einzumischen. Wieder werden mahnende Worte wie Wertedebatte und Ethik ausgerufen. Vergessen wird dabei nur, dass in Zeiten der Globalisierung die Wirtschaft kein Streichelzoo mehr ist. In der Öffentlichkeit werden die Managergehälter und Steueraffären an den Pranger gestellt und Politiker versuchen sich als Anwälte der kleinen Leute. Den Wählern ist jedoch durchaus bewusst, dass viele, die sich hier als Paulus versuchen, selbst in Vorständen und Aufsichtsräten sitzen.
Die Kanzlerin forderte spontan eine „Kultur des gemeinsamen Erklärens der Globalisierung“. Dies soll einen Versuch darstellen, den Menschen die Vorzüge der Globalisierung aufzuzeigen. Immerhin sollte es den Deutschen ja eigentlich ein Ansporn sein, dass unsere Nachbarländer Belgien, Österreich und die Schweiz wesentlich stärker globalisiert sind als Deutschland, wie man es auf Globalisierungseffekte.de nachlesen kann.
Als Beispiel wird aufgeführt, dass mehr Arbeitsplätze entstehen würden, als verloren gehen. Ob dies nun die von Entlassung bedrohten Mitarbeiter von Siemens oder der deutschen Telekom beruhigt, bleibt fraglich. Wie einzelne Verbraucher die Globalisierung sehen, dazu findet sich übrigens auf „Was Globalisierung für mich bedeutet“ ein sehr informativer Artikel. Die Forderung, die Globalisierung durch mehr Gesetze zu steuern und so in einem verträglichen Rahmen zu halten, wurde in den letzten Jahren immer wieder ausgerufen. Ihre Umsetzung jedoch gestaltet sich durch die zunehmend vernetzten Märkte als immer schwieriger.
Schon bei dieser Diskussion kommen Schreie aus allen Ecken. Die Linken fordern die Wirtschaft auf, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Die Wirtschaftsverbände halten dagegen, dass es sich nur um schwarze Schafe bei Steueraffären und Schwarzgeldaffären handelt. Die Großkonzerne dagegen rechtfertigen sich mit der Zuspitzung der Märkte und dem Gewinn als Messlatte für ihren Erfolg.
Bleibt also abzuwarten, in wieweit die Politik noch in der Lage ist, die Marktwirtschaft auch als Soziale Marktwirtschaft zu stärken. Auch die Nachhaltigkeit politischer Entscheidungen sollte von längerer Dauer sein, entdeckten doch bereits in den letzten Jahren die verschiedenen Parteien immer kurz vor den Wahlen ihre soziale Ader wieder und ließen sie nach den Wahlen genauso schnell wieder in der Versenkung verschwinden.
