Kredit und Finanzen

Ist der Untergang der US-Autoindustrie längst besiegelt?

So zumindest sieht es Paul Krugman, der in zwei Tagen in Stockholm den Nobelpreis für Wirtschaft entgegennehmen wird. Seiner Ansicht nach gibt es keine Rettung für die Industrie, die in den USA so wichtig ist, und die dennoch in Folge der Finanzkrise in große wirtschaftliche Bedrängnis gekommen ist. Krugman glaubt, und das ist nicht nur seine eigene Ansicht, dass die Problem der Autohersteller in den USA nicht die Folge mangelnder Finanzen sei, sondern strukturelle Gründe hätten.

Denn, anders als in Deutschland, sind die Autokonzerne in den USA kaum in der Lage, kurzfristige Produktionsänderungen vornehmen zu können, sondern halten starr an ihren Plänen fest, und produzieren so für die Halde. Bereits seit Monaten ist dies hinlänglich bekannt, wirkliche Änderungen gab es hier bisher nicht, wie man meinen könnte. Anders als BMW und Daimler in unserem Land, die ihre Produktion umgehend gedrosselt haben, steht die US-Autoindustrie der Krise anscheinend machtlos gegenüber. So rufen nun die Bosse der drei großen Autohersteller in den USA – Ford, Chrysler und General Motors – nach der Hilfe der US-Regierung, die sich bis jetzt jedoch stur zeigt und der angeschlagenen Industrie nicht helfen möchte.

Krugman nach wird die Autoindustrie in den USA bald der Vergangenheit angehören, weil sie von der Wirtschaft in der heutigen Zeit nicht mehr getragen werde. Außerdem kritisierte er das sich derzeit in der Planung befindliche mögliche Rettungspaket für die Autobauer, das seiner Ansicht nach sowieso nichts bringen würde, denn: “zwei Monate Zeit gekauft” würde damit nur, mehr positive Auswirkungen hätte ein solches Rettungspaket für ihn nicht. Interessant wird sein, inwiefern die Autobanken der großen Hersteller betroffen sein werden. Schon jetzt läuft deren Kerngeschäft – die Kfz-Finanzierung sowie das Kfz-Leasing – stockend, so dass sich die Institute nach neuen Geschäftsfeldern umsehen sollten, wollen sie länger als ihre Mutterkonzerne überleben.

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Krugman gilt als der Begründer der „Neuen Ökonomischen Geografie“ und ist für seine harsche Kritik an dem noch amtierenden US-Präsidenten George W. Bush bekannt. Mit dem Nobelpreis wird Krugman für seine bekannten Beiträge zur Theorie des Außenhandels und zur Wirtschaftsgeografie ausgezeichnet, mit denen er neue Wege beschreiten will.

Als im Oktober die Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften bekannt gegeben wurde, sagte er in einem Telefongespräch mit dem auszeichnenden Komitee in Stockholm: “Auch ich bin zutiefst verängstigt. Und das bin ich heute nach den positiven europäischen Beschlüssen vom Wochenende noch genauso wie am Freitag. Wir werden eine Rezession erleben, möglicherweise eine lange, vielleicht aber einen internationalen Finanzkollaps vermeiden.” Dennoch freut er sich sehr, dass nun die Zeit gekommen ist, in der die Politiker begonnen haben, „Vernunft anzunehmen”.

Doch Krugman ist nicht erst seit seiner Benennung als Wirtschafts-Nobelpreisträger bekannt. Bereits vor Jahren war er es, der die dotcom-Krise bereits voraussah und dann auch tatenlos zusehen musste, wie die Seifenblase des „Neuen Marktes“ in aller Welt schließlich auch platzte und viele Anleger große Summen ihres angelegten Geldes verloren. Er war es auch, der vor der Wirtschaftspolitik von Bush warnte, und sieht sich nun wieder in allem bestätigt.

Nun könnten also auch seine Voraussagen über einen Zusammenbruch der US-amerikanischen Autoindustrie bald eintreffen, früher vielleicht schon als von vielen gedacht. Das mögliche Rettungsprogramm der US-Regierung für die Autoindustrie könnte wirklich wie ein Tropfen auf dem heißen Stein ebenso schnell wieder versiegen, wie die Hilfe in die Unternehmen der Autohersteller gepumpt werden wird.

Indes fordern viele die Abspaltung Opels von General Motors, damit der deutsche Autobauer überleben kann. Opel selbst ist jedoch bis jetzt (noch?) nicht zu diesem Schritt bereit und wird möglicherweise erst die Ergebnisse der Verhandlungen in den USA abwarten. Realistisch betrachtet wäre die Abspaltung jedoch der wohl einzig richtige Weg, um wenigstens Opel vor dem Aus zu bewahren.

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