Kredit und Finanzen

Rentenkasse verschleudert 44,5 Millionen Euro bei Lehman Brothers

Als wenn es nicht alles schon schlimm genug wäre. Nun hat das Bundesfinanzministerium bekannt gegeben, dass die Rentenkasse der Deutschen Rentenversicherung 44,5 Millionen Euro bei der inzwischen insolventen Investmentbank angelegt hatte.

Das angelegte Geld soll angeblich aus der eisernen Reserve der Rentenkasse stammen, die derzeit ein Volumen von gut elf Milliarden Euro haben soll, und scheint aktuell für immer verschwunden zu sein bzw. hat sich in Luft aufgelöst und wird früher oder später in der Rentenkasse fehlen.

Es kann fast mit hundertprozentiger Sicherheit davon ausgegangen werden, dass dies Auswirkungen auf eine der nächsten Rentenrunden hat. Mindestens eine „Nullrunde“ werden die Rentner dann in den nächsten Jahren wieder drehen müssen, wenn nicht sogar mehr.

Die Geldanlage erfolgte über einen der 16 Träger der Rentenversicherung. Welcher genau dies zu verantworten hat, wurde seitens des Bundesfinanzministeriums nicht bekannt gegeben. Zu den Verlusten der Rentenkasse sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler in einem Interview mit der „Bild“: „In der Finanzkrise haben nicht nur die Banken, sondern auch die Sozialkassen versagt. Auch die Rentenversicherungen müssen ihr Risikomanagement bei Geldanlagen dringend verbessern.“

Neben der Rentenkasse hatte auch die Unfallversicherung Geld bei Lehman Brothers angelegt. Und auch vier Berufsgenossenschaften sind den Verlockungen der schnellen und hohen Rendite erlegen, welche die US-Investmentbank einstmals durch Subprime-Kredite, die sich hinterher als Verlustgeschäfte herausstellten, einzufahren schien. Die Berufsgenossenschaften und die Unfallversicherung hatten insgesamt 57,55 Millionen Euro bei Lehman Brothers angelegt.

Ob auch Krankenkassen der Gesetzlichen oder der Privaten Krankenversicherung von Verlusten betroffen sind, kann nicht gesagt werden. Wahrscheinlich ist es jedoch. Auch ob überhaupt noch etwas bei Lehman Brothers, der insolventen Investmentbank aus den USA zu holen ist, ist mehr als fraglich. Es zeigt sich immer mehr, dass hohe Rendite fast automatisch zu einem hohen Risiko führen muss. Vor allem angesichts der Subprimes.

Ich denke, die Verantwortlichen der Banken wussten und wissen gar nicht, was Subprime-Papiere eigentlich sind. Denn als Subprimes bezeichnet man jene Kredite, die an Geringverdiener vergeben werden und die mit einem hohen Ausfallrisiko verbunden sind. Einem fast hundertprozentigen Ausfallrisiko, wie man derzeit in den USA ganz deutlich sehen kann, wenn man den Betrachtungszeitraum nur entsprechend ausdehnt. Und dieses Ausfallrisiko hat die ganze globale Finanzwirtschaft in den Keller gezogen, wie immer deutlicher wird.

Das Vergangene kann nicht wieder rückgängig gemacht werden, wohl aber kann in Zukunft verhindert werden, dass es noch einmal zu solchen Anlagen mit einem absolut überhöhten Risiko kommen wird. Anders kann die Kurve nicht gekriegt und die Weiche nicht für einen neuen Aufschwung in der ganzen Welt nicht gestellt werden.

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