Ein Konzern trotzt der Finanzkrise – Rewe setzt neue Signale
Während Deutschland ächzt und stöhnt und sich auf dem Weg in eine Rezession befindet, geht ein Konzern ganz andere Wege. Unternehmen streichen Stellen, sparen Urlaub ein, wie jüngst die Vorgabe von SAP an die Mitarbeiter, Zwangsurlaube kommen vor – wie bei Opel.
Und dann kommt ein Mann daher und sagt (der Tageszeitung „Welt“): “Europaweit werden wir 2.100 Filialen neu eröffnen, das sind fast 82.000 neue Mitarbeiter“, so Alain Caparros – Chef der Einzelhandelskette „Rewe“. Der Einzelhandel sei „ein Job-Motor“. „In allen unseren Geschäftsfeldern laufen wir in oder über unserem Planungskorridor. Auch mit dem Geschäft im September und Oktober bin ich hoch zufrieden“.
Der Chef von Rewe, Alain Caparros, hat angekündigt, allein in Deutschland 750 neue Filialen zu eröffnen und 25.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Und hart ist die Kritik von Caparros an anderen Unternehmen der Lebensmittelbranche. “der klassische Lebensmittelhandel wird geradeaus laufen“, sagt er, und: „Ich finde es bemerkenswert, wie viele Untergangspropheten es gibt, die jetzt noch Öl ins Feuer gießen und sich dann wundern, wenn die Krise noch länger dauert.“
Er drückt damit aus, was so mancher Mensch, der sich schon länger als nur wenige Wochen oder Monate mit dem Thema Finanzen und Wirtschaft beschäftigt, zu all dem denkt, was gerade so gepredigt wird.
Es wäre nicht das erste Mal, dass in Deutschland ein Abschwung herbeigeredet wird. Diesmal jedoch nicht seitens der Regierung, sondern seitens der Unternehmen, die den Kopf in den Sand stecken und über sich selbst jammern, anstatt die Zähne zusammen zu beißen.
Ohne schmerzhafte Investitionen kommt unser Land in dieser Zeit nicht aus. Auch wenn sie bitter sind, so werden sie mittelfristig jedoch ihre Erfolge nach sich ziehen und der Wirtschaft einen neuen Schub geben.
Caparros verspricht, Rewe werde „auf Spur bleiben, was unser Investitionsverhalten angeht. Sparprogramme in der Krise kommen immer zu spät. Meine Devise ist: Man muss sein Schiff schon bei strahlendem Sonnenschein immer wetterfest halten.“
Und er glaubt nicht an den Sinn eines Konjunkturprogramms für den Einzelhandel. Denn: „Ein klares Nein. Der Handel selbst ist ein Konjunkturprogramm.“ Noch im Juni dieses Jahres wollte Rewe nur 560 neue Filialen eröffnen. Anstatt hier zu kürzen, ist der Plan um 190 neue Filialen nach oben gesetzt worden.
Hier tut sich ein neuer Weg auf, in dem ein Unternehmen der Krise den Kampf ansagt und investiert in die Zukunft, die im Moment noch gar nicht zu sehen ist. Dies wird Vertrauen schüren, im Kleinen, und vielleicht wird es zu einem Aufwachen bei anderen Konzernen führen, der gleichen Branche wie denen anderer Branchen.
Interview-Quelle: www.welt.de
