Kredit und Finanzen

Deutschland – das Land der Rentner

Die Rentner werden zu einer immer größeren Personengruppe hierzulande. Somit ist es kein Wunder, wenn auch die Politik diese stark gewachsene Zielgruppe der Wählerschaft immer mehr ins Auge fasst. Doch was derzeit auf Seiten der Politiker gespielt wird, ist ein Spiel, das jenseits von Gut und Böse abläuft. Nachdem der Ruf nach einer Rentengarantie immer lauter wurde, wollten die Politiker diesen Ruf nicht überhören. Erst recht nicht, wenn er einhergeht mit der Drohung, dass die Rentner eine starke Gruppe der Wähler ausmachten.

62 Millionen Menschen sind wahlberechtigt, gut 20 Millionen davon sind Rentner. Erfahrungsgemäß liegt deren Wahlbeteiligung auch noch deutlich höher, als bei der jüngeren Generation. Zusätzlich wählen überdurchschnittlich viele Rentner die beiden großen Parteien CDU / CSU und SPD. Deshalb lassen sich diese auch gerne auf eine Rentengarantie ein, ohne daran zu denken, welche Belastungen dies aufweist.

Der Finanzminister war der Einzige in den Reihen der großen Parteien, der seine Meinung kundtat, dass eine Rentengarantie sehr grenzwertig sei. Er sieht in der Rentengarantie ein falsches Signal an die junge Generation. Insbesondere die junge Generation müsse auf jeden Fall leiden, besonders die aktuell 25-35 Jährigen, hier beim Haushaltsgeldblogger noch einmal nachzulesen. So hat sich die Zahl der Beitragszahler immer weiter verringert, wohingegen eine steigende Zahl Rentner steht. Waren es 1995 noch 40 Rentner, die von 100 Beitragszahlern finanziert wurden, so waren es zehn Jahre später bereits 55 Rentner und bis 2035 könnten es sogar 80 Rentner werden.

Dass es so kaum finanzierbar sein wird, die gesetzliche Rente als bislang tragende Säule der Altersvorsorge in ihrer Höhe unantastbar zu machen, dürfte Jedermann klar sein. Bereits heute ist eine starke Abwanderung junger Deutscher gen Ausland zu beobachten. Insbesondere gut ausgebildete junge Menschen verlassen das Land. Gerade deren Einkommen werden jedoch benötigt, um die Beiträge für die Renten zu erwirtschaften.

Durch eine Rentengarantie, wie die Politik sie derzeit verspricht, nur um die Wahlen zu gewinnen, was bei den Rentnern noch möglich wäre, würden alle jungen Generationen vergrault werden. Das ist sogar die einhellige Meinung der Nachwuchspolitiker. Man dürfe nicht eine Gruppe in Sicherheit wiegen, auch wenn klar ist, dass diese Rentengarantie unter keinen Umständen finanzierbar ist. Zum einen gewinnt man vielleicht die Wahl, hält man die Versprechen aufgrund der nicht möglichen Finanzierbarkeit aber nicht ein, so verlieren die Parteien auch das letzte Vertrauen, das die Rentner ihnen noch entgegen bringen.

Auch der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) meint, dass die Einführung einer Rentengarantie ein Fehler sei, die Renten müssten den Löhnen folgen in guten wie in schlechten Zeiten. Er spricht damit ein wichtiges Thema an, denn es ist fraglich, ob der Garantiefall überhaupt jemals eintreten wird. Dies bezweifelt zumindest die Deutsche Rentenversicherung und beschreibt in ihrer Antwort auf das aktuelle Geschehen, dass die Rentengarantie keine negativen Auswirkungen auf die jungen Beitragszahler hat. Wer das genaue Statement lesen will, findet es hier. Die Logik dahinter ist relativ simpel, so kann die Rentengarantie zwar zu einem Ansteigen der einzuzahlenden Beiträge führen, doch dieses würde sich auch für die jüngere Generation auszahlen, da diese ja dann vom erhöhten Leistungsumfang auch profitieren würde.

In der Welt beschreibt Thomas Schmid unter dem Titel „Die Torheit der Rentengarantie“ die Anfänge der Rentendiskussion in Zeiten der Wahlkämpfe, dies begannen schon 1957 als Adenauer gegen den Widerstand seines Wirtschaftsminister Erhard die dynamische Rente einführte.

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