Die private Krankenversicherung in der Existenzkrise
Die ersten privaten Krankenversicherungen stecken in einer existenziellen Krise. Ein Überleben kann nur durch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle gesichert werden und weniger durch Prämiensteigerung und damit Kostenexplosionen.
„Gut für Sie – gut für alle“ lautet ein Werbespruch privater Krankenversicherungen und kostet diese zurzeit mit ähnlichen Botschaften in Zeitungsanzeigen, im Rundfunk oder per Online-Banner Millionenbeträge. Es soll dabei gezeigt werden, dass ein Entfliehen von den gesetzlichen Versicherungen hin zur fürsorglichen privaten von Vorteil ist. Damit, so heißt es gegenüber den potentiellen Kunden, „erhalten Sie eine sehr gute medizinische Versorgung und Sie stärken damit das Gesundheitssystem“.
Doch die so glänzende Kampagne strahlt hinweg über den wahren Zustand der privaten Krankenversicherungen. Mittlerweile stehen diese am Rande des wirtschaftlichen Abgrunds und gehören unabhängig von der Finanz- und Wirtschaftskrise zur Sorgenbranche des Landes.
Dennoch gibt es einige Vorteile gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen. Zum einen legt die Versicherung einen Teil der Prämie zurück, um im hohen Alter den Versicherten vor einer Beitragssteigerung zu bewahren. Zum anderen kann sich der Versicherte auf den Vertrag verlassen und muss keine Angst haben, dass Leistungen einfach gekürzt oder gestrichen werden. Das Privileg, den meist direkten Zugang zum Arzt ohne lange Wartezeiten und die freie Wahl der Therapie zu haben, ist auch ein großer Vorteil der privat Versicherten.
Die Nachteile bestehen allerdings darin, dass ein Wechseln der Versicherung im höheren Alter, um eine bezahlbare Police zu finden, fast ausgeschlossen ist. Kinder brauchen eine eigene Police und sind nicht automatisch mitversichert. Der Versicherte bezahlt ebenso die Verwaltung, Provisionen und die Vertriebsmannschaft mit. Wenn ein Vertrag mit einer privaten Versicherungsgesellschaft abgeschlossen wird, muss der zukünftige Versicherte meist penibel genau angeben, welche Krankheiten er bisher hatte. Bezahlt die Versicherung dann die Behandlung, muss mit einem höheren Beitrag gerechnet werden. Das Gesundheitsblog von imdeo listet die Vor- und Nachteile von der PKV recht übersichtlich auf.
Die privaten Anbieter bekommen immer weniger Neukunden im Vergleich zu den Abgängen aus dem bisherigen Bestand, was für viele bedeutet, das Geschäft aufzugeben, wenn sich der Trend so fortsetzt. Um die Prämiensteigerung und Verbraucherfeindlichkeit zu verdecken, lassen sich die Gesellschaften Verkaufstricks einfallen, statt mit neuen Angeboten und besserem Service zu glänzen.
Der Grund für die momentane Situation ist das Angebot. alle Gesundheitsrisiken zu versichern und sämtliche Behandlungen zu übernehmen. Etwa 70 Prozent aller Beitragseinnahmen deckt diese Vollversicherung ab, wo hingegen nur ein Zehntel der Bevölkerung diese Police abschließt. Die Restverträge sind private Krankenzusatzversicherungen wie etwa die Krankentagegeldversicherung, welche nur ein Bruchteil der Prämien beisteuern.
Daher rührt die dringende Not, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, wenn dabei auch Unternehmen und Angebote vom Markt ganz verschwinden werden. Bisher geben viele Unternehmen wie KarstadtQuelle ihre Vollversicherten zum Jahreswechsel ab.
Zur Rettung der privaten Krankenversicherung spricht die Deutsche Versicherungswirtschaft davon, eine Einheitsversicherung zu schaffen, durch die die Trennung von privater und gesetzlicher Versicherung aufgehoben wäre. Diese Einheitsversicherung würde allen Bürgen offen stehen, wie die Financial Times berichtet. Die einflussreichen Vertreter der Privaten stellen sich jedoch dagegen. Seit Anfang dieses Jahres sind die Privaten Krankenkassen verpflichtet, einen Basistarif anzubieten, der vom Umfang dem der gesetzlichen Krankenkassen entspricht.
Mehr dazu gibt es beim Existenzgründerportalblog nachzulesen. Das Finanzblog berichtet von starken Beitragserhöhungen bei den Privaten Krankenversicherern, diese werden mit erhöhten Ausgaben im Medikamentenbereich und dem neuen Basistarif begründet.
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