Notkredite für die US-Autoindustrie
Ja, „geordnete Verhältnisse“ wollte er seinem Nachfolger, Barack Obama, hinterlassen. Doch das Gerede des George W. Bush währt manchmal nicht viel länger als einen Tag, wie es scheint. Denn nun kommt es doch anders, als gesagt, und es wird anderes getan, als es gut wäre für die Zukunft der USA.
Nun kommen sie, die Notkredite, welche General Motors und Chrysler wieder auf die Beine helfen sollen. Nur, es ist, was es ist, und bleibt, was es bleibt: Lediglich ein Hinauszögern des Kollaps, da jeder einigermaßen klar denkende Mensch sehen kann, dass hier nur das Problem zeitlich verschoben, nicht aber gelöst wird. 13,4 Milliarden US Dollar Hilfe kommen sofort, weitere vier Milliarden dann wohl im Februar.
Ein ernstes Gesicht – und dennoch ein Verkennen der Lage
“Ich muss die amerikanischen Bürger vor einem verheerenden Schlag bewahren. In einer Zeit, da die USA verwundbar sind”, sagte er bei der Erklärung zu den Zahlungen an Chrysler und General Motors. Mit ernstem Gesicht verkündete er eine unbehagliche Maßnahme, die keine Problemlösung bringt, ganz im Gegenteil.
Möglicherweise könnten die Zahlungen die Insolvenz der beiden großen Autobauer der USA ein wenig hinaus schieben, diese könnte die Wirtschaft der USA dann aber umso härter im Frühjahr nächsten Jahres treffen und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit bringen, der sehr sprunghaft wäre, denn immer noch gilt die Autoindustrie in den USA als eine der wichtigsten Industrien. Gerade die Autostadt Detroit würde dabei wohl den Boden unter den Füßen verlieren, dem Untergang geweiht, wie – realistisch betrachtet – auch General Motors und Chrysler.
Doch Bush bekommt auch unerwartete Rückendeckung
Ausgerechnet einer seiner schärfsten Kritiker, Paul Krugman, hat US-Präsident Bush Recht gegeben bei der Maßnahme der „Autokredite“. Der diesjährige Nobelpreisträger für Wirtschaft sagte zu den Plänen von Bush: “Es wird fast sicher einen geordneten Bankrott der Autobauer nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts geben”. Weiterhin meint der Wirtschafts-Nobelpreisträger am Donnerstagmittag bei einem Auftritt im National Press Club in Washington. “Der Grund für Bushs Übergangskredite ist, dass sich so etwas im Moment nicht bewerkstelligen lässt. Deshalb schiebt man die Lösung auf – das ist im Moment die richtige Entscheidung.”
Erstaunliche Worte von Krugman, der erst kürzlich noch sagte, dass eine Finanzspritze in Richtung der maroden Autobauer nur ein Hinausschieben der Pleiten wäre. Hat Krugman nun seine Meinung von einem Tag auf den anderen geändert? Verstehen kann man dies nicht, da er vehement gegen eine Unterstützung der Autoindustrie war und gar kürzlich noch einen Untergang dieser Schlüsselindustrie der USA vorausgesehen hat.
Beschleunigen die Notkredite den völligen Untergang von General Motors und Chrysler?
Notkredite gut und schön, Hilfe vom Staat, gut und schön. Nur, diese Kredite werden unter strengen Auflagen vergeben. Eigentlich eine sehr sinnige Sache. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn die Regierung hat in ihre Hilfe einen Fallstrick eingebaut, der zu einem völligen Untergang der beiden arg kränkelnden Autobauer führen könnte. Bis Ende März müssen Chrysler und General Motors ihr jeweiliges Sanierungskonzept vorlegen, damit sie weiter arbeiten können. Liegen dann keine entsprechenden Konzepte vor, müssen sie die gewährte Hilfe auf Heller und Pfennig zurückzahlen. Dies würde der den beiden einen Todesstoß allererster Güte versetzen.
Und es ist die Frage, ob es wirklich umsetzbar ist, für zwei solch große Konzerne binnen so relativ kurzer Zeit Konzepte zu erstellen, die zu einer umfassenden Sanierung führen würden. Schließlich müssen bei solchen Sanierungskonzepten mehrere „Planspiele“ auf dem Papier durchgeführt werden, damit unter dem Strich dann ein wirklich tragfähiges Konzept heraus kommen kann. Ob dies in dieser Zeit, bis Ende März des kommenden Jahres, machbar ist, scheint mehr als fraglich zu sein. Aber Bush wird es kaum mehr interessieren dann. Er ist dann nicht mehr Präsident der USA und kann sich dann in Ruhe auf seiner Ranch in Texas sagen: Nach mir die Sinnflut.
