Kredit und Finanzen

Der Ruf nach dem Staat – Wenn finanzielle Hilfe zur Unmöglichkeit wird

Erst waren es die Banken, dann die Autobauer, dann die Autozulieferer. Dann kam Milliardär Merckle daher, immerhin fünftreichster Deutscher, und ruft auch nach der Hilfe des Staates. Da fragt man sich allen Ernstes: Haben die eigentlich alle keine Tassen mehr im Schrank? Rufen denn alle nach dem Staat, was in diesem Falle der Geldbeutel der Steuerzahler ist, wenn sie nicht mehr selbst zurande kommen?

Es ist eine verrückte Welt in diesen Tagen und manchmal glaubt man sich gar in einem Paralleluniversum, so unterschiedlich ist das Heute zu den Zeiten, die vor ein paar Monaten waren. Da wollten die Autobauer investieren, da erreichten sie neue Rekordzahlen an Neuzulassungen, da verdienten die Autozulieferer natürlich kräftig mit. Und dann weht ein steiferer Wind und sofort erfolgt der Schrei nach dem Staat. Und was ist dann mit den Gewinnen, die man in den guten Monaten eingefahren hat? Sind diese etwa schon verbrannt? Was ist mit den Investitionen, die man machen wollte? Sind diese bereits vergessen?

Derweil findet in Frankfurt am Main die 11. EURO FINANCE WEEK statt. Der Kongress hatte bereits mit klaren Worten seitens des Präsidenten der Bundesbank, Axel Weber, begonnen. „Wir haben zudem ein natürliches Interesse an der Analyse grundlegender Entwicklungen an den Finanzmärkten und der Zusammenhänge zwischen Finanzmärkten und der Realwirtschaft. Dieses Interesse rührt aus der besonderen Stellung des Finanzsystems bei der Weitergabe geldpolitischer Impulse an die Realwirtschaft. Darüber hinaus gefährdet ein instabiles Finanzsystem wesentliche makroökonomische Ziele, insbesondere Preisstabilität und nachhaltiges Wirtschaftswachstum.“, legte er die Fakten klar offen, als es um die Erweiterungen der Kompetenzen der Bundesbank ging.

Heute wiederum beginnt in Frankfurt der “European Banking Congress” 2008, und das mit noch klareren Worten. Horst Köhler, der nicht nur Bundespräsident, sondern zugleich auch Finanzexperte ist, und der die Finanzmärkte bereits vor einigen Monaten als „Monster“ bezeichnet hat, gab den Bankern heute richtig ihr Fett weg. „Die Banken müssen sich bewusst machen: Zuallererst sind sie Treuhänder derer, die ihnen ihr Erspartes überantwortet haben.“, mahnt er die Mitarbeiter der Banken und Geldinstitute an.

Ob dies wirklich Gehör finden wird? Und er schärfte genau jenen ein: „Wir brauchen bei aller Schärfe des Wettbewerbes eine Kultur der Gemeinsamkeit. Und wir brauchen schlicht Anstand. Besinnen Sie sich wieder auf die Tugenden des soliden Bankiers“. Und er mahnt weiter und sagt, was viele denken, aber nicht die Öffentlichkeit haben, dass sie wirklich Gehör finden: „Besinnen Sie sich auch wieder auf Ihre Funktion als Dienstleister für Ihre Firmenkunden. Lassen Sie vor allem unsere Mittelständler nicht im Stich“.

Köhler trifft genau damit wohl eine offene Wunde. Die Banken bekommen durch den gesunkenen Leitzinssatz bessere Konditionen für Kredite von der Bundesbank, erhalten zusätzliche Mittel seitens des Staates (aus den Taschen der Steuerzahler wohlgemerkt!) und geben diese besseren Kreditmöglichkeiten jedoch nicht an ihre derzeit wichtigsten Kunden, die Unternehmen und Geschäftskunden, weiter.

Während die Banken lange Zeit ihre Privatkunden fast vergessen hatten und nur noch ihre Firmenkunden bevorzugten, scheint sich das Bild völlig gewandelt zu haben. Den Privatkunden wird nun in allen Bereich – vom Girokonto über den Privatkredit bis hin zur Geldanlage – förmlich hinterher gelaufen, seitdem es auch viel Konkurrenz seitens ausländischer Banken gibt, die Firmenkunden aber werden ins Abseits gedrängt. Und dies gerade zu einer Zeit, wo günstige Möglichkeiten zur Unternehmensfinanzierung wichtig sind, um die Wirtschaft wieder richtig anzukurbeln, und unser Land schnellstmöglich wieder aus der Rezession rauszuholen. Die Banker machen als, trotz staatlicher Hilfe, im Moment wieder munter weiter, wie sie die ganze Zeit gehandelt haben.

Köhler aber, der Mahner der Finanzwelt, geht noch weiter und erinnert an die Kraft, die zugleich auch in jeder Krise steckt. „Es waren Menschen, die diese Krise angerichtet haben. Also können Menschen auch Lehren aus ihr ziehen und sie lösen.“ Und: „Wir haben durch eigene Fehler erfahren, dass auch wir verwundbar sind. Es steht uns deshalb gut an, daraus mehr Bescheidenheit und Lernfähigkeit abzuleiten.“ Seine Worte werden vielleicht Wirkung zeigen.

Wichtig ist, dass nicht nur in unserem Lande ein Umdenken stattfindet, sondern auf globaler Ebene, in der ganzen Finanzwelt. Doch Köhler mahnt nicht nur und erinnert. Am Ende seiner Rede machte er der Wirtschaftswelt Hoffnung: „Das europäische Modell von Freiheit, die sich an sozialen Ausgleich bindet, trägt Hoffnung in die Welt. Die Soziale Marktwirtschaft kann jetzt international den Durchbruch schaffen. Wir haben die Chance, eine Globalisierung zu gestalten, die allen zu Gute kommt“. Mehr kann man dazu kaum sagen, als sich nur den Worten Köhlers anzuschließen…

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