Kredit und Finanzen

Das neue Wachstum von Hertie – Unerwartet, aber erhofft!

Die Insolvenz von Hertie ist in aller Munde in der deutschen Wirtschaft. Die Warenhauskette, die einstmals zu Karstadt-Quelle gehört hat, und vor drei Jahren von eben dieser verkauft wurde, wächst wieder. Es scheint, als hätte die Insolvenz Hertie neu beflügelt und neue Wege aufgetan. Ende November soll deshalb in Straubing eine neue Filiale der Warenhauskette eröffnet werden. Vorbedingung der Gläubiger war, dass keine zusätzlichen Investitionen für die Eröffnung nötig sind. Und diese scheint es auch nicht zu brauchen. Hertie erstrahlt plötzlich in neuem Expansionsglanz.

Die Abkehr vom alten Besitzer, Karstadt-Quelle – übrigens nicht nur als Waren- und Versandhaus tätig, sondern seit einer ganzen Weile auch als Bank in Deutschland aktiv (http://www.kredit-und-finanzen.de/kredite/karstadt-quelle-kredit.html) und selbst im Bereich Versicherungen tätig (von der Zahnzusatzversicherung bis zur Riester Rente hat der Konzern derzeit alles im Angebot) – hat Hertie nach einer Säuglingsphase ohne den alten Mutterkonzern wohl nun doch endlich gut getan.

Die Insolvenzverwalter machten auch noch eines deutlich: „Wir denken nicht an Zerschlagung“. Das hört sich gut an für die Warenhauskette, die seit September 2005 – dem Zeitraums des Verkaufs – aus den tiefroten Zahlen nicht mehr herauskam. Da nützen auch die 500 Millionen Euro Jahresumsatz nichts. Nun scheint Hertie aber einen neuen Weg zu suchen, Expansion statt Abbau von Stellen und Schließung von Häusern. Und das mit dem Ja der Insolvenzverwalter, das auch ein Nein hätte sein können. Aber Bähr hat Gutes im Sinn mit Hertie, wie es scheint.

Vor drei Jahren hatte Karstadt-Quelle einen Teil ihrer Warenhäuser an Dawnay Day, einen britischen Finanzinvestor, und an die Unternehmensberatung Hilco, die ihren Sitz in London hat, verkauft. Eine Weile nach dem Verkauf waren die Warenhäuser dann in Hertie umbenannt worden und es sah alles gut aus.

Doch Dawnay Day riss seine eigene Warenhauskette in den Keller der roten Zahlen durch seine Mietforderungen. Der Finanzinvestor hatte bei der Übernahme des „Karstadt kompakt“-Pakets die Trennung von Immobilien und Betreibergesellschaft vollzogen und erhöhte erst einmal kräftig die Miete. Dies zwang Hertie in die Knie und man kann dem Finanzinvestor auch heute immer wieder nur absprechen, sich über seine Schritte im Klaren gewesen zu sein bzw. gründlich darüber nachgedacht zu haben. Anfang Juli dieses Jahres verlor Dawnay Day dann selbst den Boden unter den Füßen und rang sich zu dem Entschluss durch, Insolvenz anzumelden. Am 31. Juli dieses Jahres war es dann endlich soweit – Hertie war den Fängen von Dawnay Day entkommen. Und kann sich nun, nach drei Jahren am Boden liegen, endlich wieder aufrappeln und in die Zukunft sehen.

Insolvenzverwalter Biner Bähr von der Anwaltskanzlei White&Case hat deshalb mitten in der Insolvenz gute Neuigkeiten. „97 Prozent unserer Lieferanten sind wieder an Bord“, sagte er und gab Hertie damit neue Hoffnung, es doch noch zu schaffen kurz vor dem endgültigen Ruin. Sogar Esprit und Katag sind wieder mit an Bord, die wichtig sind für das Geschäft mit Modemarken.

Noch in diesem Monat will Bähr, gemeinsam mit der Unternehmensberatung Paul und Collegen, ein neues Konzept für Hertie auf den Tisch legen. Dies soll tragfähig genug sein, um die Warenhauskette vor dem Aus zu retten und sie wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Das Konzept ist sehr wichtig, denn „Schließlich wollen die Investoren wissen, weshalb sie in Zukunft mit dem Unternehmen kein Geld mehr verlieren werden.“ sagt Bähr dazu. Einen weiteren Abbau von Stellen wird es auch nicht geben. Bähr weist die Spekulationen um Entlassungen vehement zurück: „Derzeit gibt es bei Hertie 3500 Mitarbeiter. Das ist wohl eher die untere Grenze.“ Das klingt zwischen den Zeilen doch glatt nach geplanten Neueinstellungen. Ob es zur Schließung von Filialen kommen wird, hat Bähr bis jetzt jedoch noch nicht thematisiert. Derzeit werden die einzelnen Häuser der Warenhauskette, die einstmals unter der Führung von Karstadt-Quelle stand, intensiv unter die Lupe genommen.

Insolvenzverwalter Biner ist auch nicht ganz von Schließungen überzeugt. Anders als der Finanzinvestor Dawnay Day, der Hertie in die roten Zahlen getrieben hat, bleibt er Realist: „Schließungen sind teuer und verringern die Insolvenzmasse“. Bis Ende dieses Jahres will Bähr denn auch einen neuen Eigentümer für die Warenhauskette gefunden haben. Wenn man seine Reden hört und seine dazu übereinstimmenden Reden hört, kann man versucht sein, zu glauben, dass er das auch schafft im Sinne der Warenhauskette und der Mitarbeiter.

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