Neuer Datenschutzskandal in Deutschland – Bankdaten illegal weitergegeben
Das Jahr 2008 scheint das Jahr der Datenschutz-Skandale zu sein. Erst der Discounter Lidl, der systematisch via Kameras seine Mitarbeiter bespitzelt hat und damit gleich im März dieses Jahres negative Schlagzeilen in Bezug auf die Missachtung des Datenschutzes machte. Nur zwei Monate später geriet dann die Telekom AG ins Visier der Datenschützer, mit dem inzwischen bestätigten Vorwurf, die Telefondaten von Mitarbeitern und Journalisten gezielt ausgespürt zu haben, und das wohl über Jahre hinweg.
Nun durchzieht ein neuer Datenschutz-Skandal unser Land. Und erzeugt fast einen lauteren Aufschrei aller drei anderen Skandale zusammen. Denn diesmal sind es nicht die Mitarbeiter eines Unternehmens, denen Daten gestohlen oder die beobachtet wurden, es sind keine Journalisten, nein, diesmal ist Otto Normalverbraucher mitten im Geschehen.
Vergangene Woche war bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein plötzlich eine CD mit Daten von 17.000 Kunden und deren Bankverbindungen aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln und stößt wohl nun ganz langsam in ein Netz aus Adressverkäufen vor, die zu illegalen Machenschaften geführt haben. Abbuchen vom Girokonto ohne Erlaubnis, Verträge, die gar nicht in beidseitiger Willenserklärung abgeschlossen wurden. Inzwischen hat sich der Datendieb der Polizei gestellt.
Zwischenzeitlich hat er jedoch wohl verlautbaren lassen, in einem Gespräch mit dem „Spiegel“, dass die 17.000 Kundendaten nur die Spitze des Eisbergs waren und er insgesamt über die verstörende Anzahl von 1,5 Millionen Kundendaten verfügt.
Wenn man bedenkt, dass Deutschland „nur“ gut 82 Millionen Einwohner hat, kann man hier erkennen, dass ein breiter Teil der erwachsenen Bevölkerungsschicht von diesem Datendiebstahl betroffen ist.
Inzwischen ist auch der so genannte Bonus Club von Bertelsmann ins Fadenkreuz der Ermittler gelangt. Es wird vermutet, dass die gestohlenen Kundendaten für den Abschluss von Clubmitgliedschaften verwenden wurden. Es scheint ein einziger Sumpf zu sein, der sich da plötzlich auftut.
Ratsam ist es, wenn man in den letzten Monaten Anrufen von einem Call-Center hatte oder ohne seinen eigenen Willen etwas verkauft bekam oder plötzlich Mitglied in einem Club wurde, dem man nicht willentlich beigetreten war: Kontrollieren der Kontoauszüge. Bei Abbuchungen, zu denen nicht die Einwilligung erteilt wurde, umgehend eine Lastschriftrückgabe machen. Dies geht binnen sechs Wochen nach Zugang des Kontoauszuges oder des Kontoabschlusses.
Wichtig ist: Persönliche Daten sollten im Internet oder per Telefon wirklich auch nur dann weitergegeben werden, wenn sie auch wichtig sind, zum Beispiel bei einem tatsächlichen Kauf und nicht vorab ohne eine Gegenleistung. Wer dies bedenkt, kommt auch weiterhin unbeschadet durch dieses Jahr der Datenschutz-Skandale und braucht sich keine Sorge darüber machen, dass die eigenen Daten missbraucht und ohne Zustimmung verwendet werden könnten.
