Chefvolkswirt der Deutschen Bank malt ein düsteres Arbeitslosenszenario
Als wäre es nicht schon genug mit den ganzen bitteren „Endzeit“-Szenarien, die unserer Wirtschaft gerade angetan werden, kommt da einer und malt ein noch düstereres Bild. Norbert Walter, seines Zeichens Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sieht schlimme Zeit auf uns zukommen. Bis Ende des kommenden Jahres erwartet er eine dramatische Zunahme der Arbeitslosenzahlen – auf möglicherweise gar bis zu 4,5 Millionen.
Deshalb sagte er der „Rheinischen Post“, ” dass die Arbeitslosenzahl bis Ende 2010 steigen wird und eher bei 4,5 Millionen als bei den bisher prognostizierten vier Millionen liegen wird.“ Lösungen gegen diese schlechten Zahlen hat er auch schon parat. So fordert er eine Senkung der Mehrwertsteuer. Und eine Umweltprämie nicht nur für Autos. „Dazu gehört die Absenkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozentpunkte für mindestens ein halbes Jahr. Weiterhin ist es überlegenswert, die Abwrackprämie nicht nur auf Autos zu beschränken, sondern auf Produkte wie Wäschetrockner oder Kühlschränke auszuweiten“ ließ er verlauten.
Die Frage ist jedoch: funktioniert das wirklich? Natürlich würde sich jeder Verbraucher über eine Absenkung der Mehrwertsteuer freuen. Vielleicht würde der Konsum sogar ansteigen deshalb. Nur: Auf der anderen Seite würde das Geld in der Staatskasse fehlen und müsste auf dann über andere Quellen wieder reingeholt werden. Auch die Idee mit Wäschetrocknern und Kühlschränken ist nicht gerade nur auf Walters Mist gewachsen. Nur: Wo kein Geld ist, um neue Produkte zu kaufen, würden auch ein paar Euro mehr nicht helfen, um diese zum Kauf zu bewegen.
Überhaupt kritisiert Walter viel, wenn auch indirekt. So heißt er die Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank mit einem einfachen „Ja“ als gut, sagt aber daraufhin auch gleich: „Und ich habe mich gewundert, warum sie nicht um einen ganzen Prozentpunkt nach unten gegangen sind. Ich kann aber das vorsichtige Vorgehen verstehen. Die EZB will Preisstabilität sichern und gleichzeitig die hektischen Finanzmärkte beruhigen.“ So ganz sicher scheint er sich dabei nicht zu sein, ob er nun offen kritisieren oder einfach klein beigeben und sich seinen eigenen Teil dazu denken will.
Auf die Frage hin, wie lange die durch Subprimes und Produkte wie Credit Default Swaps verursachte Krise noch dauern wird, hat der Chefvolkswirt des Branchenprimus auf dem deutschen Bankenparkett auch keine klare Antwort. „Das kann keiner genau sagen. Wir haben mit einer derartigen Wirtschaftsentwicklung keine Erfahrung. Es gibt aber zwei denkbare Szenarien: Beim ersten beginnen die auf den Weg gebrachten Rettungspakete – angefangen von Darlehen über Zuschüsse wie die Abwrackprämie bis hin zu direkten Konjunkturprogrammen – vom kommenden Jahr an zu wirken. Zudem sind Maßnahmen in europäischen Ländern aufeinander abgestimmt. Im zweiten Szenario heißt das Motto: Rette sich, wer kann. Nationale Maßnahmen bilden die Grundlage für Rettungspakete. Diese wirken dann aber nur partiell, so dass wir 2010 und 2011 noch in der Krise stecken würden. Ich befürchte allerdings, dass es auf das ungünstigere Szenario hinauslaufen wird.“, kommt von ihm bei dem Interview mit der „Rheinischen Post“.
Wie sein oberster Chef, Josef Ackermann, bleibt auch Walter blass und bringt keine neuen Lösungsansätze für den Weg aus der Krise auf den Tisch. Vielleicht mehr wirkt er wie ein Gewerkschaftsboss, der nichts Anderes mehr zu bieten hat als Sprechblasen ohne Inhalt. Viel wichtiger sind in diesen Tagen neue und innovative Lösungsansätze, keine alten Kamellen – der Karneval ist längst vorbei.
