Creditreform-Studie zur Überschuldungssituation deutscher Haushalte
Die Überschuldung der deutschen Haushalte nimmt ab – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Creditreform vom 1. Oktober 2008.
Die Wirtschaftsauskunftei konnte nun heute bekannt geben, dass die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland auf 6,9 Millionen Schuldner gesunken ist. Dies ist ein Rückgang um 6,4 Prozent von zuvor 7,37 Millionen Schuldnern. Grund für den Rückgang ist wohl der Aufschwung, dessen Auswirkungen noch spürbar waren. Durch die beginnende Rezession droht jedoch eine Kehrtwende in eine neue Welle der Überschuldung.
Creditreform warnt davor, dass die Zunahme der Überschuldungen sogar schneller von statten gehen könnte als der noch soeben konstatierte Rückgang der Überschuldungen. Gerade ein möglicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen könnte zu neuen Überschuldungen führen, weil viele Haushalte ihre Immobilienfinanzierungen und Verbraucherkredite möglicherweise nicht mehr zurückzahlen werden können.
Natürlich liest sich dies ein bisschen so, als würde man den Teufel an die Wand malen. Auf der anderen Seite geht es jedoch darum, möglichst realistisch zu handeln bei der Aufnahme von Krediten und vor allem statt der überteuerten Kredite bei Versandhaus-Bestellungen lieber durch weitaus kostengünstigere Kleinkredite zu ersetzen.
Auch der in Deutschland so beliebte Dispokredit ist eine große Schuldenfalle. Durch den Zugriff auf das Girokonto, ohne darüber nachdenken zu müssen, wie viel diese Art von Kredit wirklich kostet, kommt man als Kontoinhaber leicht an den Punkt, wo die Zinsen für den Dispositionskredit die Einnahmen der Haushalte schnell auffressen. Droht dann plötzlich die Arbeitslosigkeit eines oder mehrerer Verdiener in der Familie, und reduziert sich das Einkommen dadurch stark, steht man oft sehr schnell in der Überschuldung.
Deshalb sollte über eine Umschuldung nachgedacht werden, das heißt, dass alle teuren Kredite und vor allem der Dispokredit durch andere, günstigere Kredite wie zum Beispiel den Abrufkredit oder Rahmenkredit abgelöst werden sollten. Hiermit schafft sich ein Haushalt selbst die Möglichkeit, auch bei Einkommenseinbußen weiter den Rückzahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Und vor allem sollte auf keinen Fall ein Warenkredit in Anspruch genommen werden. Die Zinsen für solche Kredite liegen bei weitem über den sonst gängigen Kreditzinsen und fressen jedem Schuldner die Haare vom Kopf – vor allem dann, wenn man bei der Rückzahlung in Schwierigkeiten gerät.
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat in ihrer aktuellen Studie festgestellt, dass immer noch so gut wie jeder 10. Erwachsene in unserem Land nicht in der Lage ist, den fälligen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen und diese fristgerecht und ohne das Auflaufen von Mahnungen und gerichtlichen Mahnverfahren nachzukommen. Insgesamt sind deutsche Haushalte laut Schätzungen mit einer Summe zwischen 195 Milliarden Euro bis zu 253 Milliarden Euro verschuldet. Darin erfasst sind sowohl die „normalen“ Schulden, als auch jene aus den 6,9 Millionen überschuldeten Haushalten in unserem Lande.
Die Ursachen für die Überschuldungen liegen auf der einen Seite in den bekannten Gründen Arbeitslosigkeit und Scheidung wie auch übertriebenem Konsum, auf der anderen Seite in den stark angestiegenen Preisen für Lebensmittel und Energie. Gerade die hohen Nachzahlungen für Gas, Strom und Fernheizung reißen viele Haushalte in die Miesen. Hier ein Tipp: Wer die fälligen Nachzahlungen nicht auf ein Mal bezahlen kann, sollte sich umgehend nach der Abrechnung mit seinem Energieversorger in Kontakt setzen und wegen einer Ratenzahlung anfragen. In den meisten Fällen ist dies möglich, hierbei kann ruhig ein eigener Vorschlag wegen der Höhe der Raten gemacht werden. Natürlich sind die Energieversorger nicht dazu verpflichtet, auf eine Ratenzahlung einzugehen, in den meisten – und gut begründeten Fällen – wird hier jedoch auf den Wunsch des Kunden eingegangen.
