Citigroup übernimmt die Krisenbank Wachovia
Manche Entscheidungen verstehen nicht einmal Experten. Die Übernahme der maroden US-Bank Wachovia durch die Citigroup ist eine solche Entscheidung.
Erst kürzlich stieß die Citigroup, die ihren Sitz in den USA hat, ihren deutschen Zweig, die Citibank, ab und verkaufte diese an die französische Großbank Credit Mutuel. Und nun lädt sich eben diese Citigroup die fast zusammengebrochene US-Bank Wachovia auf, welche die viertgrößte Bank in den USA ist.
Inzwischen wurde die Aktie von Wachovia vom Handel ausgesetzt. Die Citigroup, aufgrund der Bilanzsumme als die größte Bank in den USA bewertet, will das Bankgeschäft von Wachovia übernehmen. Dies gab heute die staatliche Einlagensicherung der USA, die FDIC, bekannt.
Der Staat stellt sich hinter den Kauf, betont aber, dass die Wachovia nicht wie andere Banken bereits vor dem Kauf zusammengebrochen war. Alle Einlagen der Kunden seien immer noch abgesichert. Die Citigroup übernimmt nun einen großen Teil der Filialen und auch der Kundengelder. Aber auch die milliardenschweren Verluste des Konkurrenten nimmt man auf die eigene Kappe. Diese trägt die Citigroup dann gemeinsam mit der FDIC, der Federal Deposit Insurance Corporation.
Die Wachovia hält einen riskanten Bestand an Krediten in Höhe von 312 Milliarden US Dollar. Davon wird die Citigroup bis zu 42 Milliarden US Dollar an Verlusten aus diesem Kreditbestand übernehmen, den Rest wird die FDIC auf ihre Schultern nehmen.
Im Gegenzug dazu erhält die Federal Deposit Insurance Corporation Vorzugsaktien von der Citigroup im Wert von zwölf Milliarden US Dollar. In der Folge wurden auch die Wachovia-Aktien vom Handel ausgesetzt, die Aktien der Citigroup gaben um ein Prozent nach, in einem jedoch generell schwachen Umfeld des heutigen Handelstages.
Die Chefin des FDIC, Sheila Bair, sagte zur gemeinsamen Aktion der Einlagensicherung und der Citigroup, dieser Schritt sei notwendig gewesen, um das Vertrauen in die Bankenbranche zu erhalten.
In diesem Jahr waren bereits mehrere Banken in den USA in die Pleite gegangen, zuletzt die Investmentbank Lehman Brothers, die vor wenigen Tagen zusammen gebrochen war. Und eben die Washington Mutual, die Sparkasse in den USA, die von JPMorgan geschluckt wurde. Es verändert sich derzeit in der ganzen Welt die Bankenlandschaft. Und ein Ende des Veränderungsprozesses ist nicht absehbar…
