Opel kündigt Werksschließungen an
Nachdem die Hilfe nun nicht so schnell fließt, wie sie von den Managern von Opel erwartet wurde, fahren diese andere Geschütze auf. Von Werksschließung ist nun plötzlich die Rede, welche zu einem Verlust von vielen Arbeitsplätzen führen würde. Und genau hier ist der Knackpunkt. Denn wenn der Staat mit einer Finanzspritze eingreifen würde, dann doch nur, um eben die Mitarbeiter in Beschäftigung zu halten und sie nicht zu dem Heer der Erwerbslosen in unserem Lande hinzufügen zu müssen. So zeigten denn auch die Wirtschafts-Staatssekretärin der CSU, Dagmar Wöhrl, in einem Interview mit dem Magazin „Focus“ direkt mit dem Finger auf das Verhalten der Opel-Manager und nannte eine Hilfe mit Steuergeldern inzwischen „höchst fragwürdig und unwahrscheinlich“.
Und „Was uns vorliegt, ist weder ein Konzept noch ein Zukunftskonzept. Es ist nur ein Entwurf.“ Und: Die Manager von Opel haben „leider keine fundierten Fakten geliefert“. So die Worte der Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. Inzwischen steht das Management des Rüsselsheimer Autobauers immer mehr unter Beschuss. Ein 217 Seiten dickes Konzept wurde der Bundesregierung dieser Tage vorgelegt, doch ohne wirkliche Inhalte. Nun muss in Rüsselsheim nachgesessen werden, um ein schlüssiges und auch tragfähiges Sanierungskonzept vorlegen zu können.
Auch nicht klar ist, was Opel in Zukunft eigentlich produzieren will in Zukunft, da sämtliche Patente für die gebauten Fahrzeuge weder im Besitz von Opel selbst noch im Besitz des Mutterkonzerns General Motors sind. Das US-Finanzministerium hat diese als Sicherheiten von GM erhalten für die Gelder, die aus Staatstaschen in den kollabierenden US-Autobauer geflossen sind. Ob General Motors überhaupt gerettet werden kann, ist nicht klar. Aussagen von GM selbst zeigen direkt in den Abgrund, weshalb die Aktie des Unternehmens gestern die niedrigste Börsennotierung seit 75 Jahren erreichte. Bittere Zeiten für den Autohersteller, der vor gar nicht all zu langer Zeit noch auf dem Thron saß, als erfolgreichster und größter Autobauer der Welt. Doch dies ist Vergangenheit – vielleicht für immer.
Aber noch jemand meldete sich heute klar zu Wort: Unsere Bundeskanzlerin. Während sie vor kurzem noch eine Hilfe für Opel als nicht „systemrelevant“ bezeichnet haben soll, spricht sie in ihrem heutigen Videopodcast deutliche Worte: „Bei Opel stehen wir vor einer tief greifenden Entscheidung. Wir werden helfen, wenn der Nutzen für alle Menschen größer ist als der Schaden. An diesem Punkt sind wir leider noch nicht. Das Konzept muss noch nachgebessert und geklärt werden. Aber wir sind es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genauso wie den vielen Familienangehörigen der Beschäftigten schuldig, dass wir alles daran setzen zu sehen, ob wir eine solche Lösung finden. Daran arbeitet die Bundesregierung zusammen mit den Landesregierungen und den Vertretern von Opel und General Motors mit Nachdruck.“
Eindeutiger kann eine Ansage kaum sein. Ob die Opel-Manager sie jedoch verstehen? Oder sollten wir sie vielleicht übersetzen? Die Kanzlerin macht damit klar: Wenn Arbeitsplätze draufgehen, kriegt Opel keine Hilfe. Eine Sanierungshilfe – egal ob als Kredit oder als nicht rückzahlbare Unterstützung – wird es nur dann geben, wenn möglichst viele Mitarbeiter ihr Arbeitsplätze erhalten. Vielleicht haben das die Manager von Opel schlichtweg übersehen bei der Erstellung ihres Konzeptes, dass es nicht nur um ihre eigenen Arbeitsplätze, sondern um 25.000 Mitarbeiter bei Opel direkt, und um 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland, inklusive der von einer Pleite betroffenen Autozulieferer geht? Niemand weiß es letztlich außer den Verantwortlichen selbst. Auf das überarbeitete Konzept sind wir auf jeden Fall gespannt. Wird es dann statt der vielen bunten Bilder auch endlich wirklich einen Inhalt haben.
