Kredit und Finanzen

Senkung des EZB-Leitzinssatzes auf 2,00 Prozent

Gestern wurde der Leitzinssatz für die Euro-Zone auf 2,00 Prozent gesenkt. Der Schritt der Europäischen Zentralbank war erwartet worden, doch so ganz sicher kann man sich als Außenstehender ja nie sein bei dem, was der Vorstand der EZB da produziert. So wurde noch vor einigen Monaten der Leitzins angehoben, obwohl die Zeichen einer kommenden Rezession bereits sichtbar gewesen, von Jean-Claude Trichet und seinen Mannen aber nicht erkannt bzw. als nicht so bedeutend wie die Sicherung der Preisstabilität eingestuft wurden.

Langsam aber scheinen auch die Herren der Europäischen Zentralbank der Realität ins Gesicht schauen zu können. Und setzten gestern eben in der Folge dann den Leitzins um 50 Basispunkte nach unten. Trichet sagte aber zugleich auch klar und deutlich: “Es ist nicht unsere Absicht, auf sehr niedriges Niveau zu gehen, da wir sicher sind, dass dies kontraproduktiv für unsere Wirtschaft wäre”. Damit setzt er sich den Forderungen entgegen, eine Politik der Null Prozent anzustreben, wie sie im Moment in den USA und in Japan gefahren wird, wo die dortigen Notenbanken den Leitzins gegen Null gesetzt haben. Hier denkt die EZB auch voraus und sieht nicht nur die Zahlen auf dem Papier, was vor allem in diesen Zeiten sehr wichtig ist.

Und auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, immerhin eines der wichtigen Bankorgane in unserem Lande, befürwortet die Senkung des Leitzinses. So sagte das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des DSGV, Karl-Peter Schackmann-Fallis, “Der jetzt gezeigte entschlossene Schritt ist geeignet, jedweder Art von Deflationsgefahr zu begegnen und die Auswirkungen der Rezession abzudämpfen. Diese Geldpolitik ist somit eine gute Ergänzung zu dem in diesen Tagen ebenfalls verabschiedeten Konjunkturpaket II der Bundesregierung”. Schackmann-Fallis sieht aber auch die unklaren Folgen der erneuten Senkung des Leitzinses: “Wir sind damit zwar noch nicht wie die USA bei einer Nullzinspolitik angelangt, aber auch die EZB operiert jetzt auf niedrigem, bislang in Europa unbekannten Territorium.”

Nun muss die Leitzinssenkung jedoch auch greifen und in der Folge wirklich die Kredite günstiger machen. Wichtig ist nun vor allem, dass die Banken die günstigeren Konditionen für die Kreditaufnahme vor allem auch an die Kunden des Mittelstandes zum Zwecke der Unternehmensfinanzierung und als Kredit für Selbstständige weitergeben. Denn gerade bei diesem wichtigen Geschäftskundenstamm besteht derzeit großer Kreditbedarf, der jedoch von vielen Banken ausgebremst wird.

Damit die Rezession jedoch bald wieder ihr Ende finden kann, muss jedoch investiert werden in allen Bereichen der Wirtschaft. Und vor allem der Mittelstand spielt hier nun mal eine wesentliche Rolle als Standbein der deutschen Wirtschaft. Dies dürfen auch die Banken nicht vergessen, sondern müssen sich nun dem den Zeichen, welche die EZB gesetzt hat, nun auch anschließen. Anders kann es nicht funktionieren und die Senkung des Leitzinssatzes hätte seine volle Wirkung verfehlt.

Erste Banken haben im Übrigen bereits reagiert. So senkte die niederländische Credit Europe Bank bereits vor wenigen Tagen den Eingangszinssatz ihres Credit Europe Bank Privatkredites auf 3,85 Prozent pro Jahr. Andere Banken wie etwa die Creditplus Bank oder die SWK Bank haben bereits so niedrige Eingangszinssätze, dass weitere Zinssenkungen bei ihnen fast ausgeschlossen werden können.

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