Die Seifenblase namens Postbank-Verkauf
Eine Geschichte ohne Ende scheint es zu sein, die sich da seit Monaten um den Verkauf der Postbank rankt. Viele erzählen neue Versionen, manche decken sich miteinander und doch scheint das Ganze zu einer Utopie zu werden. Die Seifenblase platzt langsam, der Kurs der Postbank Aktie hat sich „normalisiert“. Nun kann neu überlegt werden, ob man sein bestes Pferd auch wirklich verkaufen, oder es nicht doch besser in seinem eigenen Stall halten und für sich weiter Siege reiten lassen möchte.
Begonnen hat die Geschichte im November des vergangenen Jahres. Die Deutsche Post sagte durch die Blume, dass man durchaus in der Lage sei, sich einen Verkauf der Postbank vorzustellen. Ob man dies wirklich tat, oder ob man nur Gerüchte streuen wollte, das weiß nur die Post selbst. Sicher ist jedoch, dass die Aktie einen Aufwärtsrutsch machte und der Kurs irgendwann bei mehr als 60 Euro stand – von zuvor gut 45 Euro. Die Postbank setzte also den Gegentrend zum Kursabfall der anderen Banken, und dies gleich die ersten sechs Monate dieses Jahres.
Da jedoch der Verkauf keine wirklichen Formen annahm, hielten sich die Anleger langsam zurück, und die Aktie der Postbank kam wieder auf dem Boden der Tatsachen an. Und der scheint nicht gerade gut gepolstert zu sein, weswegen Analyst Andreas Weese von Unicredit dem Online-Magazin „Spiegel“ mit klaren Worten vor einer Weiterführung der Illusion warnt: “In dem jetzigen Marktumfeld ist ein Verkauf der Postbank schwieriger geworden. Der Aktienmarkt sieht meiner Einschätzung nach derzeit eine Wahrscheinlichkeit des Verkaufs von unter 50 Prozent. Das sollte weitgehend im Kurs bereits berücksichtigt sein.”
Gestern zu Börsenschluss hat sich der aktuelle Kurs bei 43,32 Euro je Aktie eingependelt. Es wäre also wohl Unsinn, jetzt und sofort zu verkaufen, wo der Preis dem Wert der Postbank nicht gerecht werden würde. Sie hält immer noch das größte Privatkundengeschäft in Deutschland mit 14,5 Millionen Kunden und ist hier nicht zu toppen derzeit.
Eine andere Bank ist jedoch in Zugzwang. Die Deutsche Bank, der nun ernsthaft Gefahr droht, von der neuen Größe, Commerzbank – Dresdner Bank, vom Thron des Branchenführers auf dem deutschen Bankenmarkt gestoßen zu werden, muss nun handeln. Sie hatte eine ganze Zeit lang Interesse an der Postbank, wie auch an den anderen, zum Verkauf stehenden Banken in Deutschland. Nun ist sie erst einmal leer ausgegangen. Die Citibank (in der Branche als Quasi-Erfinder des Massenkreditgeschäftes mit Verbrauchern bekannt und mit ihrem Citibank Kredit bis heute erfolgreich am Markt) ging an die französische Großbank Crédit Mutuel, die Dresdner Bank wurde nun von der Commerzbank übernommen. Nun bleibt nur noch die Postbank übrig, um mehr an Stärke zu gewinnen und damit gegen die neu entstandene Konkurrenz das Rennen zu machen.
Ob die Post ihre Banktochter jedoch wirklich verkaufen wird, und das vor allem an die Deutsche Bank, steht jedoch in den Sternen. Im Moment zumindest ist es eine Geschichte ohne Ende und wird dies wohl noch eine Weile so bleiben. Das Interessante dabei ist: Von der Post selbst kam noch vor einiger Zeit, der Verkauf sei wohl bis Herbst dieses Jahres in trockenen Tüchern und damit abgewickelt. Dem wird wohl nun nicht so sein. Die ausländischen Bieter scheinen sich inzwischen abgewendet zu haben von ihrem Kaufwillen in Bezug auf eine Übernahme der Postbank. So hatte unter anderem die spanische Großbank Santander (vielen Verbrauchern durch die Kreditangebote ihrer Direktbank-Tochter Santander Direkt Bank bekannt) Interesse gezeigt, um sich noch stärker auf dem deutschen Bankenmarkt platzieren zu können. Doch wer zu lange zögert, verliert eben die interessantesten Kunden, wie man am Beispiel der Postbank sehen kann.
