Die Dresdner Bank ist so gut wie verkauft
Fast einhellige Meinungen sagen es: Der Deal ist so gut wie über den Tisch. Die Commerzbank will die Dresdner Bank haben, und das vor dem 1. September. Nun scheint immer mehr Bewegung in die Sache zu kommen. Es scheint sich nur noch um einzelne Details zu handeln, die geklärt werden müssen, das Grundgerüst steht wohl inzwischen.
Damit würde das Wahrheit werden, was längst anstand: Die Deutsche Bank bekommt Konkurrenz im Kampf um den Platz Eins der Bankenbranche. Bisher stand sie unangefochten ganz oben auf dem Treppchen, nun aber könnte ein steiferer Wind wehen. Nachdem der Noch-Branchenführer sich wohl auch aus dem Bieterrennen um die Postbank AG mit ihren 14,5 Millionen Privatkunden und der Spezialisierung auf Privatkredit und Girokonto verabschiedet hat, die immerhin das deutschlandweit größte Massenprivatkundengeschäft hat, kommt nun ein Kandidat, der groß werden könnte.
Es verändert sich eben sehr viel in unserem Land. Vor einiger Zeit wollten die Dresdner Bank und die Commerzbank noch gemeinsam für die Postbank bieten. Durch Unstimmigkeiten kam es dazu nicht, dafür wird nun wohl aus zwei verschiedenen Banken bald eine einzige werden. Die ehemals größte Deutsche Bank wird vielleicht ihren Top-Platz bald teilen müssen mit der Commerzbank, welche sich die Dresdner Bank einverleiben will.
Das Interessante dabei ist: Die Deutsche Bank ist momentan sehr arg geteert und gefedert worden. Nur knapp ist sie in den USA einer Anzeige wegen Betrug entgangen, und muss nun bluten: Beim Rückkauf von Anleihen, den so genannten ARS (Auction-Rate Securities) für eine Milliarde US Dollar und einem Bußgeld von 15 Millionen US Dollar. Das muss eine Bank finanziell erst einmal verschmerzen, auch wenn sie eine Größenordnung wie die Deutsche Bank hat.
Durch die Übernahme der Dresdner Bank würde die Commerzbank auf insgesamt zehn Millionen Privatkunden kommen. Hier liegt es sogar recht nahe, mittelfristig der Deutschen Bank den ersten Platz streitig zu machen und diese vom Thron zu stoßen.
Noch ist aber der Verkauf nicht unter Dach und Fach. Es steht wohl noch die Klärung an, welche Risiken die Allianz als Mutter der Dresdner Bank zu tragen hätte. Aber das dürfte fast das Leichteste des ganzen Verkaufsprozesses darstellen. Schon eine ganze Weile wollte die Allianz ihre Banktochter wohl loswerden, auch wenn manche Gerüchte diesbezüglich zurückgewiesen wurden. Aber Fakt ist, dass die Dresdner Bank die positiven Zahlen der Versicherungsgesellschaft immer wieder heruntergerissen haben. Der Zukauf vor einigen Jahren hat sich inzwischen als Flop erwiesen.
Nun wird die Commerzbank wohl die neue Besitzerin werden. Und damit den Kampf gegen die Deutsche Bank antreten. Ob diese es sich dann doch noch mal überlegt, wieder in das Bieterrennen um die Postbank einzusteigen, aus Angst, ihren derzeit mehr als deutlichen ersten Platz zu verlieren?
