Die Sanierung der Bilanz bei Merrill Lynch
Die Krise in der globalen Finanzwelt ist noch nicht zu Ende. Eine der Banken, die es vor einiger Zeit kräftig durchgeschüttelt hat, ist die US-Investmentbank Merrill Lynch. Inzwischen stehen über 40 Milliarden US Dollar an Abschreibungen in den Büchern der drittgrößten Investmentbank der USA. Erst vor wenigen Tagen wurde das Ergebnis des zweiten Quartals bekannt gegeben. Neun Milliarden US Dollar an Abschreibungen und Wertberichtigungen haben schließlich zu einem Verlustgeschäft von 4,9 Milliarden dieses Jahres gesorgt.
Gestern wurde nun nach Börsenschluss bekannt gegeben, dass auch im dritten Quartal des laufenden Jahres an die 5,7 Milliarden US Dollar an Abschreibungen vorgenommen werden müssen. Außerdem sollen neue Aktien ausgegeben werden, um die inzwischen ziemlich ausgedünnte Kapitaldecke wieder ein wenig dicker zu machen.
Außerdem sollen so genannte faule Kredite verkauft werden. Die Schuldverschreibungen mit der Bezeichnung US-Super Senior ABS CDO’s hatten zunehmend an Boden verloren und sind von einem Wert von 30,6 Milliarden US Dollar zuerst auf 11,1 Milliarden US Dollar gerutscht. Nun ist beschlossene Sache, dass sie für noch weniger, für 6,7 Milliarden US Dollar, verkauft werden, und zwar an eine Tochter von Lone Star Funds. Gleichzeitig erfolgt durch den Verkauf der US-Super Senior ABS CDO’s eine Verminderung der Tätigkeiten von Merrill Lynch in diesem Bereich der Kredite um mehr als 50 Prozent was einem Absinken des Volumens von 19,9 Milliarden US Dollar auf nur noch 8,8 Milliarden bedeutet.
Kaum ist die Meldung von Merrill Lynch herausgegeben worden, klingelte es gleich und im nachbörslichen Handel rutschte der Wert der Aktie der US-Investmentbank ins Minus. Aber auch die Börsen in Asien bekamen die Auswirkungen der Abschreibungsmeldung zu spüren und wurden in Folge davon ins Minus gedrückt. Auch an der Deutschen Börse in Frankfurt gingen fast alle Werte des Dax ins Minus.
Merrill Lynch hat also eine Menge unschönen Staub aufgewirbelt. Es wird übrigens inzwischen von Experten erwartet, dass auch Lehman Brothers bald frisches Kapital benötigen und sich über neue Aktien Geld leihen wird. Ob die beiden Investmentbanken trotz Kapitalspritzen überhaupt zu retten sind, kann dennoch nicht gesagt werden. Die Turbulenzen nehmen also kein Ende auf dem globalen Bankenmarkt.
