Die Hypo Real Estate im Besitz des Bundes
Der Bund sichert sich angeblich mindestens 45 Prozent der Aktien des Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE). Dies sagte zumindest eine mit der Ergebnisauswertung angeblich betraute Person heute der Nachrichtenagentur „Reuters“.
Schlecht für den Bund, solche Menschen mit im Boot zu haben, die einfach nicht Stillschweigen bewahren können. Ob der- oder diejenige Konsequenzen zu erwarten hat? Man mag es hoffen, denn schließlich sorgte diese Nachricht dafür, dass der Kurs der HRE-Aktie gleich mal nach oben schoss. Zwar steigt dadurch der Wert des völlig maroden Spezialisten für Immobilienfinanzierungen, da der Bund seine Aktie jedoch selbst halten und die ganze Hypo Real Estate wieder zum Laufen bringen möchte, bringt dies nicht all zu viel, nur jenen Anlegern, welche die Wertpapiere der HRE noch halten. Damit anfangen können Sie jedoch im Moment nicht viel. Gestern endete die Angebotsfrist für die Anteilsübernahme durch den Bund. Die Anleger wissen also nicht, in welche Richtung es gehen könnte – oder letztendlich gar gehen wird.
Die Auswertung der Ergebnisse, wie viele HRE-Anleger nun auf das Angebot des Bundes reagiert haben, 1,39 Euro je Aktie zu erhalten, dauert wohl noch bis heute Abend an. Mit gut 45 Prozent liegt der Staat aber gar nicht mal so schlecht und es wird möglicherweise gar nicht mehr zu einer Enteignung der anderen Anteilseigner kommen müssen. Dennoch ist nicht klar, wieso ein Teil der Anleger nicht auf das Angebot reagiert haben.
Nach Abzug der Anteile von J.C. Flowers (hält 24,9 Prozent der HRE-Aktien und hatte bereits im Vorfeld des Übernahmeangebots erklärt, seine Anteile nicht abgeben zu wollen), bleiben immerhin noch 75,1 Prozent der Aktien über, die sich im Streubesitz befinden. Warten die Anleger nun auf ein höheres Angebot seitens des Bundes? Damit könnten sie sich jedoch verzockt haben.
Kirsten Bradtmöller, die Sprecherin des SoFFin, dem Finanzmarktstabilisierungsfonds, sagte in der Zwischenzeit in der „Berliner Zeitung“: „Es ist nicht beabsichtigt, das Übernahmeangebot zu verlängern“. Klarere Worte braucht man nicht. Und auch ein Börsianer, der ungenannt bleiben möchte, fand dafür keine Erklärung. : “Worauf spekulieren die Leute eigentlich. Auf ein höheres Angebot etwa? Das wird nicht kommen. Schließlich hat der Bund eigens ein Gesetz verabschiedet, um die Bank notfalls enteignen zu können.“, sagte er heute dem „Handelsblatt“.
Im Moment liegt der Kursanstieg der Aktie der Hypo Real Estate bei mehr als 21 Prozent. Das vor einiger Zeit in den MDAX abgestiegene Wertpapier gewinnt damit also an Fahrt und hat nun einen Wert von 1,70 Euro je Anteil. Christopher Flowers wird es freuen, aber seine Anteile wird der Investor aus den USA sowieso nicht so schnell verkaufen. Er wird, davon ist auszugehen, hoffen, dass der Wert der HRE-Aktie nach dem Einstieg des Bundes weiter steigen wird und der deutsche Staat noch mehr Geld als bisher in das so gut wie tote Institut steckt. Dadurch wird der ganze Laden Hypo Real Estate saniert werden, und Flowers wird seine Anteile irgendwann zu einem weitaus höheren Preis verkaufen können, als es in den letzten Monaten möglich gewesen wäre.
Es könnte aber auch ganz anders kommen. Was ist, wenn die HRE trotz des staatlichen Eingriffs noch mehr kollabiert und dann völlig untergeht? Wird Flowers die Schuld dann wiederum dem Bund zuschieben, anstatt eigene Fehler zuzugeben?
