Kredit und Finanzen

SoFFin legt Aktionären der Hypo Real Estate ein unerwartet hohes Angebot vor

Nur kurze Zeit nachdem das Rettungsübernahmegesetz auch den Bundesrat ohne jede Hürde überwunden hat, legte die Bundesregierung nun ihr Angebot für die Anleger der Hypo Real Estate vor. Je Aktie des Münchner sollen für den Spezialisten für Immobilienfinanzierungen 1,39 gezahlt werden. Erst vor zwei Tagen hatte Bundespräsident Horst Köhler das Gesetz unterschrieben und damit den Lauf der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Sachen Enteignung geändert. Dadurch ist der Weg frei für eine Übernahme per Gesetz, falls sich der Hauptinvestor der Hypo Real Estate, JC Flowers, weiterhin wehren sollte, seinen Anteil von knapp einem Viertel an den Bund abzugeben.

Der Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin will nun den Weg einer Komplettübernahme gehen, um die Kontrolle über den Immobilienfinanzierer zu bekommen, der in den letzten Monaten schon viele Milliarden Euro an Steuergeldern verschlungen hat.

Das Übernahmeangebot fällt mit 1,39 Euro je Papier höher als erwartet aus. Aufgrund der gesetzlichen Vorlage hätte der Mindestpreis, welchen der SoFFin je Aktie hätte bieten müssen, bei 1,26 Euro gelegen. Gestern lag der Kurs der Hypo Real Estate noch bei 1,20 Euro, heute stieg er bereits im vorbörslichen Handel um rund 15 Prozent.

Die Informationen in dem heute von dem Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin heraus gegebenen Übernahmeangebot sind klar:

„Die Bundesrepublik Deutschland, handelnd durch den Finanzmarktstabilisierungsfonds, dieser vertreten durch die Finanzmarktstabilisierungsanstalt, hat heute entschieden, den Aktionären der Hypo Real Estate Holding AG anzubieten, ihre auf den Inhaber lautenden Stückaktien der Hypo Real Estate Holding AG im Wege eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots gegen Zahlung einer Geldleistung von EUR 1,39 je Stückaktie zu erwerben.

Der Vollzug des Übernahmeangebots wird nicht vom Eintritt etwaiger Bedingungen abhängig sein. Im Übrigen wird das Angebot zu den in der Angebotsunterlage noch mitzuteilenden Bestimmungen ergehen.

Wichtige Information: Diese Bekanntmachung stellt weder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder Verkauf von Aktien der Hypo Real Estate Holding AG dar. Die endgültigen Bestimmungen werden nach Gestattung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in der Angebotsunterlage mitgeteilt. Investoren und Aktionären der Hypo Real Estate Holding AG wird dringend empfohlen, die einschlägigen Dokumente im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot zu lesen, sobald diese Dokumente veröffentlicht worden sind, da sie wichtige Informationen enthalten werden.“

(Auszug aus der veröffentlichungspflichtigen Adhoc-Mitteilung der Bundesregierung)

Auf dem recht kargen Onlineauftritt von SoFFin sind für die Aktionäre der Hypo Real Estate noch weitere Informationen zu finden. Experten gehen jedoch inzwischen davon aus, dass sich nur noch um die zehn Prozent der Wertpapiere der Hypo Real Estate im Streubesitz befinden und der Rest von Profis gekauft wurde. Maximal will die Bundesregierung 290 Millionen Euro für die Übernahme des Immobilienfinanzierers locker machen, inzwischen werden bereits 8,7 Prozent der Anteile an der HRE durch den Bund gehalten.

Ob die ganze Aktion jedoch etwas bringt, wird sich erst zeigen müssen. Seit Monaten gibt es heftige Diskussionen darüber, wie wichtig die Hypo Real Estate wirklich ist. Die einen sagen, sie sei systemrelevant für das deutsche Bankensystem, die anderen sagen sogar für die Finanzmärkte auf der ganzen Welt. Andere hingegen sagen: Lasst die Hypo Real Estate endlich untergehen, damit nicht noch mehr Steuermilliarden in den kollabierenden Immobilienfinanzierer gesteckt werden müssen.

Es ist also eine verfahrene Sache, die da läuft. Die marode Bank verschlingt Unsummen an Geld und scheint dennoch immer noch nicht gerettet zu sein. Der Staat wirft Geld – scheinbar ohne Grenzen – in dieses Fass ohne Boden. Falls jedoch wahr sein sollte, was einige Experten sagen, dass ein Zusammenbruch der Hypo Real Estate in etwa die gleichen Folgen für die Finanzmärkte in der ganzen Welt wie die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor wenigen Monaten haben könnte, dann kann man sich das Ausmaß der Verwerfungen nur all zu gut vorstellen. Wie die Hypo Real Estate dann jedoch von einer angeblich so großen und wichtigen Bank zu einer kleinen Kernbank eingeschrumpft und beschnitten werden soll, bleibt dabei als Frage offen.

Der Weg zur Übernahme der HRE ist damit nun endgültig beschritten. Wie lange sie dauern wird, dazu hat der Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin keine Angabe gemacht. Die Zeit wird nun zeigen, was passiert. Mit dem Angebot von 1,39 Euro je Aktie liegt die Bundesregierung jedoch mehr als 50 Prozent unter dem, was der Hauptinvestor JC Flowers und sein Chef, Christopher Flowers je Aktie vom Bund gefordert haben. Es wird also nun sehr spannend werden, ob Flowers die Wertpapiere der HRE nun freiwillig aus der Hand gibt, oder es tatsächlich zu einer Enteignung unter dem schönen Namen „Rettungsübernahme“ kommen muss.

Kommentarfunktion ist deaktiviert