Kredit und Finanzen

Das niemals endende Thema Giftpapiere in den Bankbilanzen

Noch vor einer Weile war von „nur“ rund zwei Billionen US Dollar Abschreibungsbedarf bei den Banken in der ganzen Welt die Rede. Diese Zahl scheint nun Vergangenheit zu sein, wenn man einem Bericht der „Times“ trauen darf. Inzwischen vermuten Experten eine Verdoppelung dieser vor Monaten überschlagenen Summe. Nach ihrer Meinung soll sich der Bedarf für Abschreibungen von Anlagepapieren, die inzwischen wertlos sind, auf eine Summe von gut vier Billionen US Dollar belaufen.

Die so genannten Giftpapiere, von manchen auch einfach nur noch Schrottpapiere genannt, lagern immer noch in den Büchern der Banken, und auch bei Versicherungen sind sie noch zu finden. Eine jahrelange Anlagepolitik der riskanten Sorte hat nun zu einer Ansammlung fauler Kredite besonders im Bereich der Baufinanzierung (Stichwort Subprimes), Credit Default Swaps und anderer wertloser Anlagepapiere geführt.

Wie die „Times“, eine wichtige britische Zeitung, weiter berichtet, sollte der größte Teil der Giftpapiere in den Bilanzen von Geldinstituten, Banken und Versicherungen in den USA zu finden sein. Allein dort soll der Abschreibungsbedarf in den Bilanzen um die 3,1 Billionen US Dollar betragen – eine Horrorsumme in einem Land, das inzwischen weit über eine Billion US Dollar in die Hilfe für die Banken und in die Wiederbelebung der landeseigenen Konjunktur gesteckt hat, bis dato jedoch ohne merklichen Erfolg.

Eine Quelle gab die „Times“ bei der auf ihrer Onlineausgabe veröffentlichten Nachricht nicht an. Der Internationale Währungsfonds IWF könnte die Aussage der Zeitung jedoch bald bestätigen: Am 21. April legt der Internationale Währungsfonds seinen neuen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft vor. In dem letzten Bericht zur Lage der globalen Wirtschaft, der am 19. März vorgestellt worden war, hatte der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für diese stark nach unten korrigiert. Statt des zuvor noch erwarteten Wachstums von 0,5 Prozent ging es im März dann von einem Rückgang von 0,5 – gar zu 1,0 Prozent aus für dieses Jahr. Dies wäre das erste Mal seit 60 Jahren, dass die Weltwirtschaft einen Schrumpfprozess durchläuft. Keine guten Aussichten also für dieses Jahr.

Viele Banken hatten im vergangenen Jahr Abschreibungen auf Wertpapiere vornehmen müssen, die kaum noch etwas oder gar nichts mehr wert waren. Die von einem auf den andere Tag wertlos geworden Zertifikate der inzwischen insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers seien hierbei nur als eines von vielen Beispielen genannt und bis heute ein Alptraum für betroffene Sparer, die darin zum Teil ihr für die Altersvorsorge vorgesehenes Geld angelegt hatten. Ihnen wird es kein Trost sein, dass Zertifikate – vor allem in übermäßigem Volumen – nicht unbedingt die optimale Altersvorsorge bilden.

Auch in Deutschland gingen durch die Wertverluste viele Geldinstitute regelrecht am Stock und mussten mit staatlicher Hilfe unterstützt werden mittels des eigens dafür geschaffenen SoFFin, dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung. Neben einigen der Landesbanken erhielt zum Beispiel auch die Commerzbank finanzielle Hilfe – und die immer mehr in Bedrängung geratene Hypo Real Estate. Die letztgenannte wird wohl bald keine freie Bank mehr sein, dem Immobilienfinanzierer mit Sitz in München droht die Verstaatlichung. Die Zeiten sind also wild in der Weltwirtschaft. Warten wir also auf den 21. April und den neuen Bericht des IWF. Die schlechten Nachrichten kamen ja bereits heute.

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