Kredit und Finanzen

BayernLB 2008 mit Nettoverlust von mehr als fünf Milliarden Euro

Die Aussage, man sei in dieses Jahr mit Gewinnen gestartet, scheint angesichts der heute von der BayernLB bekannt gegebenen Zahlen für das vergangene Jahr ein Witz zu sein. Denn dass damit klar über das hinweg gesehen werden soll, was sich im vergangenen Jahr abgespielt hat, liegt auf der Hand.

Düster war es im Jahr 2008 über der zweitgrößten Landesbank Deutschlands gewesen. So düster, dass der bayerische Finanzminister Erwin Huber dann im Oktober das Handtuch warf – oder eher werfen musste. Was zu viel ist, ist zu viel, und auch im Freistaat kann nicht einfach weitergegangen werden, wenn das Versagen offensichtlich ist. Darüber stolperte letztlich auch Huber, der keine klare Aussage dazu machen wollte, was er eigentlich über die Risikogeschäfte und die hohen Verluste bei der BayernLB gewusst hatte, bevor alles bekannt geworden war.

Bis heute ist auch nicht ganz klar, ob er möglicherweise nur das Bauernopfer der Bayerischen Landesregierung war, um nicht tiefer nach den Gründen suchen zu müssen, welche die schwere Krise bei der BayernLB eigentlich erst möglich gemacht haben. Denn das Ende der Aufklärung schien mit dem Rücktritt Hubers auch gekommen zu sein, heute fragt anscheinend im Freistaat keiner mehr nach den wahren Gründen für die Fast-Pleite der Landesbank.

Bei der heutigen Pressekonferenz zur Vorstellung der Jahresbilanz 2008 fand der Vorstandsvorsitzende der BayernLB, Michael Kemmer, dann auch die Gründe für das Versagen seiner Bank, die der Öffentlichkeit reichen sollen und wohl auch müssen: „Auch bei der BayernLB hat die Finanzkrise tiefe Spuren hinterlassen. Der BayernLB Konzern weist für das Jahr 2008 ein negatives operatives Ergebnis in Höhe von rund 5 Mrd. Euro aus. Dies ist vor allem auf Wertkorrekturen in Höhe von 3,6 Mrd. Euro auf die Investmentportfolios von Asset Backed Securities (ABS) und Sekundärmarktportfolios zurückzuführen. Weitere Belastungen resultieren aus Aktivitäten auf dem isländischen Markt und der erhöhten Risikovorsorge bei wesentlichen Konzernbeteiligungen. Zu nennen ist hier insbesondere die Hypo Group Alpe Adria. Die unmittelbaren Effekte aus der Finanzmarktkrise auf die Gewinn- und Verlustrechnung des BayernLB Konzerns beziffern sich für das Jahr 2008 auf insgesamt rund 5,4 Mrd. Euro. Der Kapitalbedarf belief sich zum Ende des Geschäftsjahres 2008 auf rund 10 Mrd. Euro.“

Es ist schön, dass man immer irgendwelche Gründe anführen kann, um damit der eigenen Verantwortung zu entgehen. Kemmer ist zwar erst seit gut einem Jahr Vorstandsvorsitzender der BayernLB, war aber bereits seit 2006 im Finanzvorstand der desaströsen Landesbank des Freistaates, die sich eigentlich der Finanzierung von Unternehmen oder der Gründungsfinanzierung widmen und zu diesem Zweck entsprechende Darlehen an die Wirtschaft vergeben sollte. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler wird hoffentlich wissen, dass schöne Worte allein nichts an der Situation ändern, dass die bayerischen Steuerzahler nun für die Machenschaften bluten müssen, welche die BayernLB bis fast in die Pleite geführt haben. Deshalb sagte Kemmer heute auch: „Es ist zu bedauern, dass vor allem die bayerischen Steuerzahler in Anspruch genommen werden mussten, um die existenzbedrohende Lage bei der BayernLB zu beseitigen“

Dass man sich dies jedoch vorher hätte überlegen können, bevor man den Karren Landesbank an die Wand fährt, dies scheint in Vergessenheit zu geraten. Immerhin haben die Gelder aus des bayerischen Freistaates Hand in Höhe von zehn Milliarden Euro dazu geführt, dass die wichtige Kernkapitalquote zu Ende des vergangenen Jahres bei acht Prozent lag.

Eine Prognose wagt der Vorstand der BayernLB übrigens nicht für dieses Jahr. Vielleicht hat zumindest in diesem Punkt das Lernen aus den Fehlern des vergangenen Jahres begonnen? Oder ist das einfach nur eine Haltung des Abwartens, wie sie im letzten Jahr schon gezeigt wurde? Ganz glaubwürdig ist der Wandel der zweitgrößten Landesbank Deutschlands nicht. Aber wir lassen uns ja gerne überraschen, oder etwa nicht?

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