Kredit und Finanzen

Rettungsplan für die Wall Street gescheitert – Die Finanzwelt der USA steckt in einer tiefen Krise

Der Schock sitzt tief in den USA. Der Rettungsplan, der mittels der staatlichen Hilfe von 700 Milliarden US Dollar die amerikanische Wirtschaft wieder nach vorne bringen sollte, ist durchgefallen. Und das ausgerechnet durch das Nein der eigenen Parteifreunde des amtierenden Präsidenten. Nun wurde eine erneute Sitzung des US-Repräsentantenhauses für Donnerstag dieser Woche einberufen.

“Wir werden daran arbeiten, eine Strategie zu entwickeln, die es uns ermöglicht, voranzuschreiten.”, sagte Präsident Bush dazu in einer kurzen Fernsehansprache. Und er kündigte trotz des Neins zum Rettungspaket gegen die Kreditkrise weitere Initiativen an und auch, dass er das Problem auch weiter “frontal” angehen werde.

Einzelheiten nannte er dabei jedoch nicht. Er wollte sich aber noch im Laufe der nächsten Stunden mit führenden Mitgliedern des Kongresses zusammensetzen. Er tat aber seine eindeutige Meinung kund: “Ich bin enttäuscht über das Votum des Kongresses” und ging gleichzeitig in Verteidigungshaltung für das 700 Milliarden schwere Rettungspaket. : “Unser Plan war groß, weil das Problem groß ist.” Ein erstaunlich einsichtiger George W. Bush, der sich nun, nur gut einen Monat vor der Wahl seines Nachfolgers in das Präsidentenamt mit der schwersten wirtschaftlichen Krise seines Landes seit vielen Jahrzehnten auseinandersetzen muss.

Umgehend nach dem Nein eilte Finanzminister Henry Paulson zu einem Krisengespräch ins Weiße Haus, dem Regierungssitz des amerikanischen Präsidenten. Dabei betonte er erneut die Dringlichkeit, eine Lösung zu finden. “Wir müssen so schnell wie möglich etwas tun”, sagte er, “Die internationalen Finanzmärkte stehen unter Druck”.

Die Wall Street, der Sitz der US-amerikanischen Börse, reagierte geschockt auf das Scheitern des Rettungsprogramms. Gleich um 777 Punkte fiel der Dow Jones in der Folge. Und ging dabei so tief ins Minus, wie es noch nie an einem einzigen Tag der Fall gewesen war, wäre doch das Rettungspaket wichtig gewesen, um den stockenden Liquiditätsfluss der US-Finanzwirtschaft wieder in Gang zu bringen, welcher sich schon darin zeigt, dass sich Banken untereinander kaum mehr Kredite geben.

Mit 228 zu 205 Stimmen fiel das Rettungspaket im US-Kongress durch. Dabei waren mehr als zwei Drittel der republikanischen Abgeordneten gegen Programm und immerhin auch 40 Prozent der Demokraten. Fatal dabei ist: Gerade der konservative Flügel der republikanischen Partei stimmte gegen das Rettungsprogramm. Präsident Bushs eigene Reihen fielen ihm damit in den Rücken und versetzten ganz Amerika einen Schock.

Barney Frank, der demokratische Vorsitzende des Finanzausschusses des US-Kongresses, sagte danach verbittert: “Die Republikaner haben dieses Gesetz getötet”. Unterdessen versprach Nancy Pelosi, die Präsidentin des Repräsentantenhauses, sich auch weiter für eine Lösung einzusetzen, die überparteilich sei. “Was heute passiert ist, kann nicht Bestand haben. Unsere Arbeit ist nicht beendet, bis sie getan ist.”, sagte sie dazu.

Das Lager von McCain gibt nun dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und seiner Partei die Schuld am Scheitern der Abstimmung. Obama selbst forderte dann jedoch zur Ruhe auf und sagte: “Ich bin zuversichtlich, dass ein Paket verabschiedet wird. Es dürfte aber etwas schwierig werden”.

Jedes Scheitern mehr, egal wer letztlich daran schuld ist, treibt die US-amerikanische Wirtschaft mehr in die Knie. Es sind politische Rangeleien, die bittere Folgen haben werden.

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