McCain setzt Wahlkampf aus – wegen der Wirtschaftskrise in den USA
Ist es nur Show, oder wirklich ernst gemeint? Der republikanische Kandidat für die Präsidentenwahlen in den USA im November, John McCain, setzt seinen Wahlkampf aus – und nennt die gegenwärtige Situation die “gravierendste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs.“
Und wegen “der historischen Krise” ging er nun auch vor die Kameras der Presse und verkündete lauthals, er werde nun nach Washington eilen, statt weiter seinen Wahlkampf zu machen.
Das wirklich Interessante an der Rede McCains ist jedoch der Zeitpunkt. Nur eine Stunde und zehn Minuten nach der Rede Bushs, der ebenfalls vor die Kameras ging, um sein anvisiertes 700-Milliarden-Rettungspaket weiter zu pushen, bläst McCain in das gleiche Horn. Er will eilend gen Washington ziehen, um die stockenden Verhandlungen im Kongress, bei denen es eben um genau jenes Rettungspaket für die Wall Street geht, anzukurbeln.
Nur, ein guter Werbebluff, den sich die Berater von dem guten John da ausgedacht haben. Denn zwei Dinge sind nun mal Fakt, und darüber lässt sich auch durch große Reden nicht hinwegsehen: Als Präsidentschaftskandidat ist er noch nicht der Präsident, sprich, er hat schlicht und ergreifend nichts zu sagen im Kongress. Zweitens, und das wiegt sogar noch schwerer: McCain hat keine Ahnung von Wirtschaftspolitik.
Wie sein demokratischer Konkurrent Barack Obama hat auch der Republikaner es immer sehr gut verstanden, das Thema aus seinem Wahlkampf aus zu klammern, oder mit Allgemeinfloskeln daher zu kommen. Diese Phase ist nun jedoch vorüber. McCain gehen die Worte aus, und deshalb kommt es wohl zu dieser, recht werbewirksamen „Zwangspause“.
Ob die Werbung jedoch positiv oder womöglich gar negativ von den Wählern angenommen werden wird, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen. Was Obama jetzt machen wird, ist nicht klar. Auf jeden Fall wird er nun reagieren müssen auf die neue Situation.
Wenn er Pech hat, macht er sich damit zur Schachfigur eines ratlosen McCains. Wenn er Glück hat, kann er das Patt (Anmerkung: die Bewegungsunfähigkeit eines Schachspielers, das heißt, er kann keine einzelne Figur mehr ziehen, ohne jedoch selbst vom Schach bedroht zu sein. Eine nicht sehr oft vorkommende, aber auch nicht unmögliche Situation bei einem Schachspiel), in das sich McCain selbst hinein manövriert hat, für seine eigenen (Wahlkampf-)Zwecke nutzen.
