Immobilienkrise beschert Spanien eine der größten Firmenpleiten
Die größte spanische Immobilien-Gesellschaft, Martinsa Fadesa, gab letzte Woche bekannt, sie werde Konkurs beantragen. Das Unternehmen hat inzwischen Schulden von rund 5,4 Milliarden Euro angesammelt. Mit den Gläubigern, unter ihnen die Großsparkassen La Caixa und Caja Madrid sowie die Bank Popular, hatte Martinsa Fadesa einen Finanzierungsplan ausgehandelt. Diesen konnte die Immobilienfirma aber nicht einhalten, da der dazu erforderliche Kredit über 150 Millionen Euro sowohl von den Banken, wie auch vom staatlichen Kreditinstitut ICO abgelehnt wurde.
Die Börse in Madrid reagierte mit einem Kurssturz und brach zeitweise um mehr als vier Prozent ein. Die Aktien von Immobilien- und Baufirmen sackten ab, der Handel mit Aktien von Martinsa Fadesa wurde nach Verlusten von 25 Prozent am letzten Börsentag der Firma ausgesetzt. Durch die Insolvenz von Martinsa Fadesa sind direkt circa 300 und indirekt bis zu 3.000 Arbeitsplätze betroffen. Deshalb gab es bereits das erste Treffen zwischen der Unternehmensführung und den Gewerkschaften. Nun sorgen sich tausende Familien um ihre noch nicht fertig gestellten Häuser und Wohnungen. An die 13.000 bereits von Martinsa Fadesa verkauften Immobilien sind anscheinend noch im Bau. Der Konzern versicherte zwar, die Arbeiten an Wohnungen und anderen Immobilien würden noch beendet, letztendlich kann das aber nur der Insolvenzverwalter entscheiden.
Der Grund für die Immobilienkrise liegt in dem raschen Ende des Immobilienbooms, der 1999 mit der Einführung des Euro in Spanien und einem enorm niedrigen Zinsniveau begann. Viele Spanier nahmen Immobilienkredite auf, um sich das eigene Heim zu finanzieren. Die Geschäfte der Bau- und Immobilienunternehmen blühten auf. Ähnlich wie in den USA sind die Zinsen wieder gestiegen und inzwischen gibt es mehr neue Häuser und Einfamilienwohnungen auf dem Markt als die Nachfrage rechtfertigen würde. Spanischen Immobilienhändlern stehen nun harte Zeiten bevor. Aber auch Baukonzerne bekommen die Krise zu spüren.
Details zur Krise bei Martinsa Fadesa finden interessierte Leser im englischsprachigen Spain Economy Watch Blog. Angesichts des Bankrotts fragt sich so mancher bereits, ob Spanien am Ende sei, denn die spanische Wirtschaft hängt derzeit wirklich am seidenen Faden und könnte der entscheidende Auslöser für eine weltweite Rezession sein. Selbst der Tourismussektor – einer der Haupteinnahmequellen – ist, wie es der Blog von islacanaria.net beschreibt, nicht immun gegen die Wirtschaftskrise.
