Kredit und Finanzen

Die USA in der Zerrissenheit – Billionenprogramm für die Banken und wegbrechende Arbeitsplätze

Die USA ist das Land mit der größten Volkswirtschaft der ganzen Welt, und dennoch an einem Punkt angelangt, an dem der Untergang immer näher rückt. Jene, die schon seit Jahren auf einen falschen Weg hingewiesen hatten, waren als Pessimisten verschrien worden, als Schwarzseher. Inzwischen zeigt sich, dass sie Recht hatten und die, welche den Konsum auf Pump und die unübersichtliche Bankenmaschinerie gefeiert hatten, das Land geradewegs auf den Abgrund zugeführt haben.

Die USA des Jahres 2009 hat nicht mehr viel gemein mit dem strahlenden Amerika vergangener Tage, in dem es angeblich keine Begrenzung für die Möglichkeiten eines einzelnen Menschen gab, und in dem angeblich jeder den Sprung vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen konnte. Natürlich gab es sie, diese Menschen, die das geschafft haben, und es gibt sie immer noch, doch in diesen Tagen werden sie immer weniger.

Heute mussten die USA dann Zahlen bekannt geben, die dem ganzen Land sehr bitter aufstoßen werden. 663.000 Arbeitsplätze sind allein im März in den USA weggebrochen. Bereits im Februar dieses Jahres war der Wegfall von 651.000 Arbeitsplätzen von Experten mit Schrecken beobachtet worden. Mit dem Monat März stieg die Arbeitslosenquote in den USA auf 8,5 Prozent, nunmehr der höchste Stand seit 25 Jahren. Experten befürchten inzwischen eine volkswirtschaftliche Katastrophe in einem Land, das zugleich das höchste Konjunkturpaket aller Wirtschaftsmächte aufgelegt hat. Auch die Null-Prozent Zinspolitik der US-Notenbank scheint nicht zu greifen, die Maßnahmen zur Wiederbelebung der Konjunktur scheinen  binnen kürzester Zeit alle zu verpuffen.

Inzwischen sind seit dem Beginn der Immobilienkrise im November 2007 über fünf Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen – zwei Drittel davon allein in den letzten fünf Monaten. Und es ist noch längst keine Trendwende auf dem US-Arbeitsmarkt in Sicht.

Doch dies ist nicht das einzig Bedenkliche, was derzeit in den USA zugange ist. Das Bankenhilfsprogramm zur Stützung des Verkaufs von Risikopapieren scheint nun zu einer regelrechten Farce zu werden. Der Kauf solcher Papiere, darunter unter anderem auch die so genannten faulen Kredite, wird zu 50 Prozent vom Staat unterstützt, insgesamt mit einem Fördertopf von bis zu einer Billion US Dollar. Und genau dieses Rettungsprogramm haben jetzt auch die Banken für sich entdeckt – und wollen nun, dank des Staates finanzieller Hilfe, ihre eigenen Geschäfte machen und sich gegenseitige die noch in den Büchern enthaltenen Giftpapiere verscherbeln.

Ein nette Masche, welche sich die Herren und Damen Banker da wieder einmal ausgedacht haben. Manchmal kommt einem angesichts der ganzen Krise der Finanzwirtschaft die Frage, ob die eigentlich alle noch ganz bei Trost sind oder ob die ganzen Finanzmärkte in den USA nicht von einem einzigen Haufen Irrer bevölkert wird, welche die falsche Tür genommen und statt im Irrenhaus in einer Bank gelandet sind.

Ein Land weiht sich also selbst dem Untergang. Die USA stehen heute, zu Beginn des Frühlings des Jahres 2009, mitten in den Anfängen des schärfsten Wirtschaftswinters seit vielen Jahrzehnten. Und es ist kein Ende in Sicht. Es wird noch viel kälter werden. Das Schlimme dabei ist, dass es am Ende doch nur die Kleinen erwischen wird, und die Großen ihren Bonus durch den Verkauf fauler Kredite nur noch mehr nach oben katapultiert haben.

Deutschland wurde oft belächelt, weil es nach Jahrzehnten immer noch an der Sozialen Marktwirtschaft, die viele schon wie ein Auslaufmodell betrachteten, festhielt. Im Jahr 61 nach dem Beginn der sozialmarktwirtschaftlichen Zeitrechnung zeigt sich, wieso die Bundesregierung, egal unter welchem Zepter sie stand, diesem Bestreben treu geblieben ist. Auch wenn die Krise uns schwer getroffen hat, sie wird uns nicht in den Abgrund reißen, anders als die USA, einem Land, dem es in den kommenden Monaten noch schlechter gehen wird als bereits jetzt. Und das dennoch keinen Weg zur Umkehr findet.

Seltsam für ein Land, in dem die Bibel hoch gehalten wird und ihre Werte vermeintlich verbindlich sind. Doch im Erkennen dessen, wann es endlich Zeit für die Umkehr wird, bleibt der Blinde der Blinde, der Lahme der Lahme. Und es ändert sich nichts, während von den anderen Ländern, unter anderem von Deutschland, ein stärkeres Handeln eingefordert wird. Das mag verstehen, wer es mag, wir können es nicht.

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