Kredit und Finanzen

US-Banken stoppen vorerst alle Zwangsvollstreckungen an Immobilien

Wie viele Menschen im bisherigen Verlauf der Finanzkrise in den USA ihr Eigenheim verloren haben, ist nicht genau bekannt. Vor Monaten waren es bereits Hunderttausende, es kann also vermutet werden, dass die Zahl längst über einer Million angesiedelt ist. Die Banken haben die Häuser zwangsvollstreckt, nachdem ihre Kunden die hohen Zinsen für Immobilienkredite nicht mehr zahlen konnten. Der Hypothekenmarkt war in den USA zu einer großen Blase aufgebläht, wie damals der Neue Markt, das heißt, Internetunternehmen, die unzähligen Menschen große Verluste bescherten. Auch der Immobilienbereich wuchs in den USA zu einer solchen Blase aus und platzte irgendwann, nachdem sich auch Menschen, die es sich eigentlich nicht leisten konnten, Häuser kauften, weil sie billig zu haben waren – und die Kredite dafür noch billiger von den Banken an ihre Kunden herausgehauen wurden.

Das Ganze wurde von Experten in aller Welt sehr kritisch betrachtet, in den USA schien sich jedoch niemand über diese Art von Krediten zu wundern. In dem Land, in dem immer und immer wieder fleißig auf Pump gelebt wird – 70 Prozent des Konsums in den USA werden durch Kredite finanziert – erhielten auch jene, die es sich kaum leisten konnten, Kredite. Geringverdiener also, die in anderen Ländern gar keine Kredite erhalten würden, bekamen sie für den Kauf von Häusern regelrecht hinterher geworfen – ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, wie man eine vernünftige Finanzierung planen bzw. die maximale Finanzierungssumme ermitteln kann. Diese Art von Krediten für Geringverdiener wird im Fachjargon der Banken Subprimes genannt, umgangssprachlich nennen aber auch die Banker sie inzwischen nur noch „faule“ Kredite, denn genau genommen reichten die Einkommen dieser Subprimes kaum für die Ratenzahlung des aufgenommenen Hypothekendarlehens aus, geschweige denn konnten damit die immer anfallenden Nebenkosten einer Baufinanzierung getragen werden. Und genau diese Subprime-Kredite waren es dann auch, die irgendwann mangels Rückzahlungen durch gestiegene Hypothekenzinsen platzten und für ein Finanzbeben in der ganzen Welt sorgten. Schließlich waren es nicht nur US-amerikanischen Banken, die ihre Finger da im Spiel hatten – nein, auch deutsche Banken hatten ihre Hände in diese Kreissäge gesteckt, in dem sie ihr Geld bei Banken in den USA angelegt hatten. Und haben dabei so manches Glied an ihrer Hand verloren und müssen auch heute noch heftig dafür bluten, wie lange kann noch nicht einmal gesagt werden.

un wurde im US-Kongress über das neue Konjunkturpaket abgestimmt, und es kam knapp durch. Selbst sieben Demokraten stimmten gegen das Paket ihres Parteigenossen und zugleich US-Präsidenten, Barack Obama. Darin enthalten ist auch ein Hilfspaket in Höhe von 50 Milliarden US Dollar für Hausbesitzer. Dies ging sogleich als Signal in Richtung der US-Banken, die zum Teil – zumindest vorerst – alle Maßnahmen der Zwangsvollstreckungen gegen Eigenheimbesitzer gestoppt haben. JPMorgan Chase, Morgan Stanley und die Citigroup geben damit der US-Regierung Zeit, das neue Konjunkturpaket umzusetzen. Ob es jedoch wirklich greifen wird, selbst angesichts der Gesamthöhe von 789 Milliarden US Dollar, ist fraglich. Nur Geld hinein zu pumpen in eine marode Wirtschaft und Finanzwirtschaft bringt noch keine Änderungen. Vor allem wird sie möglicherweise eher zu einem Bumerang werden angesichts der Tatsache, dass Obama möchte, dass Kredite wieder günstiger werden, und damit noch mehr der Kauf auf Pump in den USA praktiziert wird. Man lernt aus den Fehlern der Vergangenheit – oder eben nicht.

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