Kredit und Finanzen

Autoabsatz in den USA völlig am Boden – Tiefster Stand seit 27 Jahren

Die Immobilienkrise hat längst ihren eigenen Bereich verlassen und wurde zur Krise der Finanzwirtschaft in aller Welt. Die nächsten, die es erwischte, waren die Autobauer. Und die trifft die Krise jetzt mit aller Wucht. Der Autoabsatz in den USA befindet sich derzeit an einem 27-Jahres-Tief. Es war zu erwarten, dass die Zahlen nicht besser werden. Aber gleich so schlimm, das haut selbst die Experten um.

Auch die Tatsache, dass nicht nur die schweren Spritschlucker betroffen sind, sondern der gesamte Automarkt in den USA, zeigt deutlich, wie sehr die Branche dort in der Krise steckt, und es auch – im Moment zumindest – kaum einen Ausweg zu geben scheint. Monat um Monat brechen die Zahlen mehr ein und die Halden mit derzeit so gut wie unverkäuflichen Autos werden immer größer. Anders als in Deutschland, wo die neu eingeführte Abwrackprämie für ein Ankurbeln des Autoabsatzes sorgt, geht es in den USA in Bezug auf den Absatz völlig in den Keller. Die Talfahrt nimmt also kein Ende und die Zahlen werden immer schlimmer.

Allein im vergangenen Monat, im Januar 2009, brach bei General Motors der Absatz um knapp die Hälfte ein. Der Mutterkonzern des deutschen Autoherstellers Opel, vor der Pleite nur ganz knapp durch eine finanzielle Hilfe seitens der US-Regierung gerettet, kommt also nicht wieder in die Gänge und hat so weiter erhebliche Absatzeinbußen vorzuweisen.

Noch schlimmer traf es Chrysler. Der zweite Krisenkonzern unter den US-amerikanischen Autobauern setzte gleich mal 57 Prozent weniger Fahrzeug auf dem amerikanischen Markt ab als noch im Dezember des vergangenen Jahres. Der Absatz von GM (General Motors) brach um 49 Prozent ein, was ein wenig mehr als 129.000 verkaufte Fahrzeuge bedeutet. Chrysler verkaufte nur noch gut 62.000 Fahrzeuge im gleichen Zeitraum.

Ford hatte hier noch Glück im Unglück, der Absatz des zweitgrößten Autobauers der USA rutschte „nur“ um 39 Prozent ein, was in Zahlen gut 90.600 verkaufte Fahrzeuge bedeutet. Ford will bis jetzt keine staatliche Hilfe, General Motors und Chrysler jedoch wären längst insolvent, würde die US-Regierung sie nicht Kredite in Milliardenhöhe bereitstellen und die betroffenen Automobilhersteller so stützen und am Leben erhalten.

Doch ob die Hilfe auch weiter aus des Staates Taschen kommen wird? In zwei Wochen ist Stichtag, da müssen beide Autohersteller Pläne vorlegen, die ihre Fähigkeit zeigen, auch in Zukunft noch am Laufen gehalten werden zu müssen. Sollten beide Autobauer – oder auch nur einer – nicht sanierungs- und restrukturierungsfähig sein, wird die staatliche Hilfe wohl ein schnelles Ende. Derweil haben Chrysler und GM Programme gestartet, die Abfindungen bieten, damit schnell Arbeitsplätze abgebaut werden können.

Neben den traditionellen US-amerikanischen Autobauern mussten auch die deutschen Autohersteller Einbußen in ihrem US-Geschäft hinnehmen. Bei BMW ging es um etwa 16 Prozent zurück, was unter dem Strich gut 14.300 verkaufte Fahrzeuge weniger bedeutete. Dabei waren sowohl die Kleinwagen wie auch die Kernmarke von dem Absatzeinbruch betroffen, und auch der zuvor noch starke Mini ließ sich nicht mehr so gut verkaufen wie noch im Dezember.

Der Absatz bei Daimler brach gleich um mehr als das Doppelte ein. So verkaufte der Autobauer aus Schwaben im Januar dieses Jahres nur noch 12.200 Fahrzeuge in den USA. Für den Rückgang war Mercedes-Benz, die Kernmarke von Daimler, verantwortlich. Hier brach der Absatz um nahezu 43 Prozent ein. Vom smart, der vor einem Jahr in den USA an den (Verkaufs-)Start ging, verkaufte Daimler immerhin annähernd 1.800 Stück, was als ein Erfolg zu werten ist.

Einen nicht ganz so hohen Einbruch beim Absatz in den USA hat Volkswagen zu vermelden. Hier ging es im Januar „nur“ auf knapp zwölf Prozent zurück, was unter dem Strich gut 12.700 verkaufte Fahrzeuge bedeutet. Dafür brach der Absatz bei der VW-Tochter Audi ein. Hier ging es gleich um mehr als 26 Prozent zurück, was am Schluss im Gesamtmonat Januar 2009 nur noch 4.700 verkaufte Fahrzeuge bedeutet. Mark Barnes, der Chef von Volkswagen in den USA sagte dazu klar: „Wir wissen, dass 2009 ein weiteres extrem hartes Jahr für die Autobranche werden kann“.

Bei BMW ging es noch weiter zurück. Der bayerische Autobauer setzte in den USA nur noch 1.746 Fahrzeuge ab, was einen Absatzeinbruch um 36 Prozent bedeutet. Insgesamt ist BMW damit der von der Autokrise in den USA am stärksten betroffene deutsche Konzern.

Aber auch Toyota, der derzeit führende Autohersteller der Welt – kürzlich löste der japanische Autobauer den kollabierenden US-Autobauer an der Spitze ab – muss Einbrüche hinnehmen. Nur noch um die 117.300 Fahrzeuge verkaufte Toyota in den USA im vergangenen Monat, und verlor damit mehr als 34 Prozent.

Die Absatzeinbrüche wirken sich im Übrigen nicht nur desaströs auf die Automobilhersteller aus, sondern auch auf deren Bankentöchter, welche sich ja auf Autokredite und Kfz-Finanzierungen für die jeweilige Marke spezialisiert haben.

Zwar ist nun ein 27-Jahres-Tief erreicht für den Automarkt in den USA, es ist jedoch zu erwarten, dass es für die Branche noch weiter in den Keller geht. Ob General Motors und Chrysler indes diese Krise überleben werden, ist mehr als fragwürdig. Doch dies wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wenn die Pläne vorliegen für die Restrukturierung der beiden Unternehmen.

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