Deutschland: Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer
Die Bundesrepublik Deutschland entwickelt sich immer deutlicher zu einer Klassengesellschaft. Die Ergebnisse einer aktuellen Vermögensstudie belegen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. In den vergangenen Jahren bekamen vor allem die Wohlhabenden die Möglichkeit, ihr Vermögen deutlich auszubauen. Die Ärmeren konnten hingegen kaum zu legen. Somit wird deutlich, dass sich die Vermögensunterschiede in der Bundesrepublik Deutschland weiterhin verschärft habe. In den Jahren von 2002 bis 2007 mussten die ärmeren Bürger erneut Verluste verzeichnen. Im Rahmen der aktuellen Vermögensstudie, die von zwei Forschern des DIW durchgeführt wurde, wurden die aktuellen Eigentumsverhältnisse der Haushalte miteinander verglichen und ausgewertet.
Im Durchschnitt konnte ein deutscher Arbeitnehmer sein Nettovermögen um zehn Prozent steigern und erreichte somit in dem Zeitraum von 2002 bis 2007 ein Einkommen von ungefähr 88.000 Euro. Von diesem Zuwachs konnten jedoch ausschließlich die Reichen profitieren. So müssen im Jahr 2007 etwa 61 Prozent des gesamten privaten Vermögens in der Bundesrepublik Deutschland den Reichen zugeordnet werden. Im Jahr 2002 handelte es sich hierbei noch um 58 Prozent. Zudem belegt die Studie, dass etwa 27 Prozent der Deutschen über keinerlei Vermögen verfügen oder verschuldet sind, wobei die Zahl der Haushalte, welche den Status der Überschuldung erreicht haben, kontinuierlich steigt. Des Weiteren liegt der aktuelle Median auch weiterhin bei 15.000 Euro. Die Studie der beiden Forscher Joachim Frick und Markus Grabka endete Anfang des Jahres 2007. Trotz der Eskalation der Finanzkrise gehen die Experten derzeit nicht davon aus, dass sich die Vermögensverhältnisse in Deutschland während dessen geändert haben. Ihren Vermutungen zufolge könnten vor allem die finanzstarken Anleger mögliche Verluste, die durch die Finanzkrise entstanden, wieder ausgleichen. Zudem muss damit gerechnet werden, dass die neue Erbschaftssteuer, die am 1. Januar dieses Jahres in Deutschland in Kraft getreten ist, die Situation noch verschärfen und noch mehr Verbraucher mit Fragen nach dem richtigen Erben und Vererben beschäftigen wird.
Erhebliche Vermögensunterschiede lassen sich nach den Angaben der Forscher zudem bei dem Vergleich der alten und neuen Bundesländer erkennen. Während in dem genannten Zeitraum in den alten Bundesländern ein Plus von zehn Prozent beim Nettoeinkommen verbucht werden konnte, sank diese Größe im Osten um ein Zehntel. Der bereinigte Verlust belief sich auf mehr als 17 Prozent. Die erheblichen Unterschiede zwischen West und Ost begründen die DIW Forscher mit dem hohen Wertverfall bei Immobilien in Ostdeutschland. Zudem steigt die Quote der Altersarmut in den neuen Bundesländern erheblich. Doch trotz der erheblichen Veränderungen haben die Immobilien bis heute den größten Einfluss auf das Vermögen.
Sehr interessant ist auch der Beitrag von Jaqueline Badran, einer Schweizer Sozialdemokratin zum Thema „Neofeudalismus“. Sie fordert besonders die Einführung einer effektiven Erbschaftssteuer, denn diese ist eine der besten Lösungen für mehr Chancengleichheit neben dem Megathema Bildung. Frau Badran führt auch aus, dass es nicht um die Gutverdiener geht, die mit neuen Steuern belastet werden sollen, es geht um Vermögenssteuern nicht um Einkommenssteuern. Auch der Politologe Mario Candeias bezeichnet die „Managergehälter“ als nicht so erheblich und die aktuelle Debatte hätte eher den Charakter einer Suche nach dem Sündenbock. Eine Beschränkung der Managergehälter hätte auf die Vermögensverteilung quasi keinen Einfluss. Der Blog Hamburg Links geht sehr detailliert an die Analyse in seinem Beitrag: „Vermögen in Deutschland zunehmend ungleich verteilt“ heran und zeigt auch die einzelnen Bedeutungen der Berufsgruppen auf. Immer wieder alarmierend lesen sich die Zahlen zur Vermögensverteilung, so besitzen in Deutschland das reichste Hundertstel der Bevölkerung über 23% des Vermögens.
Wie sagte Churchill doch so schön „Glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, im Zusammenhang mit der Vermögensverteilung geht der Blog von Seibert Media in seinem Beitrag „Einkommensverteilung in Deutschland“ auf die statistischen Feinheiten ein, denn ob das arithmetische Mittel bei der Durchschnittsberechnung oder der Median gewählt wird, kann Welten verändern in der Statistik.
