Hypo Real Estate bekommt weitere zehn Milliarden Euro vom Staat
Während in den letzten Wochen viel darauf hindeutete, dass der Immobilienfinanzierer HRE möglicherweise verstaatlicht werden könnte – sogar ein Enteignungsgesetz war dazu angeblich in Planung –, gibt es nun noch mehr Geld für das desaströse Münchener Unternehmen aus des Staates Hand.
Insgesamt 102 Milliarden Euro hat die Hypo Real Estate damit aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds SoFFin erhalten, den Großteil davon als Kapitalspritzen bzw. – wie die nun folgenden zehn Milliarden Euro – als staatliche Garantien. Damit sind die Garantien für den Immobilienfinanzierer auf 52 Milliarden Euro angewachsen. Ob dies wirklich etwas bringt, um der schwer angeschlagenen HRE aus dem finanziellen Tal zu helfen? Angesichts der vergangenen Wochen ist dies schwer zu glauben.
Die Hypo Real Estate scheint ein Fass ohne Boden zu sein, und so mancher Experte scheint mehr und mehr Recht darin zu haben, dass man das sinkende Schiff eher mit Ach und Krach untergehen lassen sollte, anstatt ein Leck nach dem anderen zu stopfen, während an anderer Stelle wieder mindestens ein neues aufbricht. Selbst eine Verstaatlichung der HRE wäre hier nur ein Zeitaufschub, bevor der Kahn ganz auseinander brechen wird, wie es scheint.
Die neue Garantiesumme in Höhe von zehn Milliarden Euro wird bis zum 12. Juni vom SoFFin bereitgestellt. Auf nicht in Anspruch genommene Teile der Garantien werden von dem Finanzmarktstabilisierungsfonds 0,1 Prozent an Bereitstellungsprovision berechnet, dies für den Teil der Garantien aus staatlicher Hand, der in der vorgegebenen Zeit nicht in Anspruch genommen wird. Für die Garantien, die von der Hypo Real Estate genutzt werden, wird eine Bereitstellungsprovision von 0,5 Prozent berechnet, in jährlicher Berechnungsweise.
Ein billiger Kredit also, den der Spezialist für Immobilienfinanzierungen da vom SoFFin regelrecht in den Hintern geschoben bekommt. Während viele Privatleute heute, angesichts der Rezession, nicht mehr wissen, was in Bezug auf ihre Finanzen vorne und was hinten ist, und Firmen bei der Suche nach einer passenden Unternehmensfinanzierung oder einem Kredit für Selbstständige wunde Hacken bekommen, wird hier auf Kosten genau dieser Menschen ein Unternehmen am Laufen gehalten, das längst in die Insolvenz gehört. Am 27. März will die HRE laut der momentanen Planungen des Unternehmens die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorlegen. Dort wird wohl ein böses Erwachen auf die Bundesregierung warten, könnte man sich vorstellen.
Bald soll es aber auch zu Gesprächen mit dem Hauptinvestor der Hypo Real Estate, mit JC Flowers, kommen, die zu einem Viertel an dem Immobilienfinanzierer beteiligt sind. Hierbei soll es um einen Einstieg des Staates bei der HRE gehen. Angeblich hatte es schon Gespräche gegeben, dies war jedoch von der Investorengruppe aus den USA in das Land der Märchen verwiesen worden.
